November 23, 2010 / 3:16 PM / 9 years ago

Verbraucher werden zum Schrittmacher des Wachstums

Shoppers walk in a shopping mall at Berlin's Potsdamer Platz passing a sign announcing the opening hours December 1, 2009. REUTERS/Fabrizio Bensch

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Nach langjährigem Käuferstreik werden die Verbraucher zum Hoffnungsträger des Aufschwungs.

Vor dem Weihnachtsgeschäft ist das Konsumklima so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Bereits im Sommer trug der private Konsum knapp die Hälfte zum Wachstum der Wirtschaft bei, die um 0,7 Prozent zulegte. Damit steigerten die Verbraucher ihre Ausgaben das dritte Quartal in Folge, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Die sinkende Arbeitslosigkeit und die Aussicht auf spürbare Lohnerhöhungen beflügeln die Kauflaune. Experten erwarten, dass den Verbrauchern das Geld im kommenden Jahr noch lockerer sitzt.

Die Stimmung hat sich rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft kräftig aufgehellt: Die Nürnberger GfK-Marktforscher sagen für das Jahresende das beste Konsumklima seit Oktober 2007 voraus. Die rund 2000 befragten Verbraucher sehen die deutsche Wirtschaft weiter im Aufschwung und haben deshalb weniger Angst vor einem Jobverlust. “Gerade im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft sind dies sicherlich gute Nachrichten”, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Der jahrelang arg gebeutelte Einzelhandel rechnet mit klingenden Kassen und erwartet die höchsten Umsatzzuwächse seit fünf Jahren. 93 Prozent der Deutschen wollen Weihnachtsgeschenke kaufen und dafür 14 Milliarden Euro ausgeben.

Mit erwarteten kräftigen Jahresendspurt dürfte der private Konsum 2010 nach GfK-Prognose um 0,5 Prozent anziehen. Die Wirtschaftsweisen erwarten, dass die Konsumausgaben nächstes Jahr noch weit stärker steigen - und zwar um 1,6 Prozent.

“Die Leute haben das Gefühl, dass der Arbeitsplatz sicherer ist”, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte 2010 so niedrig sein wie zuletzt 1992. Die Verbraucher haben zugleich ihre Kaufzurückhaltung aufgegeben und stützen den Aufschwung - eine beachtliche Wende. Über Jahre galten die deutschen Konsumenten, anders als etwa ihre französischen Nachbarn, als wahre Einkaufsmuffel. Noch im Sommer 2009 waren die privaten Konsumausgaben um 1,2 Prozent zurückgegangen, im Schlussquartal gab es damals eine Stagnation.

“DIE DEUTSCHEN GÖNNEN SICH WIEDER ETWAS”

Nun scheint der Knoten geplatzt zu sein. “Der Trend geht eher zum Konsum, nicht zum Sparen”, sagt GfK-Forscher Bürkl. “Die Anzeichen mehren sich, dass das deutsche Wachstum auf einer breiten Grundlage steht. Die Schrittmacherrolle wird in den kommenden Jahren der Verbraucher übernehmen”, sagte Ökonom Carsten Brzeski von der ING-Bank. Einige Unternehmen sind bereits dazu übergegangen, ihren Arbeitnehmern wegen der gut laufenden Konjunktur Sonderzahlungen zu gewähren. Der Autozulieferer Continental will die Löhne und Gehälter von gut 25.000 Beschäftigten bereits im Februar und damit früher als geplant erhöhen. Beim Stuttgarter Bosch-Konzern ist die vorzeitige Erhöhung der Entgelte bereits beschlossene Sache, ebenso bei Audi und Siemens.

Die Deutschen legen im Aufschwung zudem deutlich weniger Geld auf die hohe Kante. Die Sparquote fiel im dritten Quartal auf 9,6 Prozent. Zu Jahresbeginn hatten die Verbraucher noch 15,2 Prozent ihres verfügbaren Einkommens gespart, im Frühjahrsquartal 11,0 Prozent. “Die wirtschaftliche Erholung drängt das Angstsparen zurück”, sagt Analystin Kastens. “Die Deutschen gönnen sich wieder etwas.”

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