March 21, 2018 / 9:29 AM / 4 months ago

BMW will sich vom Dieselskandal nicht stören lassen

München (Reuters) - BMW will sich vom Skandal um Abgas-Manipulationen von Diesel-Autos nicht ausbremsen lassen.

FILE PHOTO - The logo of BMW is pictured on a car during the 88th Geneva International Motor Show in Geneva, Switzerland, March 7, 2018. REUTERS/Denis Balibouse

“2018 soll unser neuntes Rekordjahr werden. Das ist mein Ehrgeiz”, sagte Vorstandschef Harald Krüger auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in München. Der Gewinn vor Steuern soll trotz steigender Kosten für die Entwicklung von Elektro-Autos mindestens die 10,7 Milliarden Euro erreichen, die BMW 2017 geschafft hatte. Zu der Razzia der Staatsanwaltschaft einen Tag zuvor und ihren möglichen Folgen gab sich der Vorstand schmallippig: “Die Sachlage für uns ist unverändert”, sagte Entwicklungs-Vorstand Klaus Fröhlich.

Der Münchner Autobauer hält den Einbau einer Software, die die Abgasreinigung bei 11.400 Fahrzeugen abschaltet, für ein Versehen - zumal sie auch auf dem Motoren-Prüfstand reagiere, also nicht zum Mogeln tauge. Die Münchner Strafverfolger haben daran aber Zweifel und gehen einem Anfangsverdacht auf Betrug nach. Weitere Fragen dazu blockte Konzernsprecher Maximilian Schöberl ab. Die Durchsuchung rüttelt am Saubermann-Image von BMW. Der Oberklasse-Hersteller war in der Affäre bisher unbeschädigt geblieben.

Indirekt hat die Debatte in Deutschland, Großbritannien und den USA um Diesel-Abgase und mögliche Fahrverbote aber schon jetzt Folgen für BMW. Denn die Restwerte für dieselgetriebene Fahrzeuge gehen in den Keller. Die Bayern mussten die Werte für Leasing-Autos daher 2017 erneut nach unten korrigieren. Für den Austausch der fehlerhaften Software hat BMW laut Finanzvorstand Nicolas Peter 100 Millionen Euro zurückgestellt.

Weltweit rechnet Vorstandschef Krüger für das laufende Jahr nur mit einem leicht rückläufigen Diesel-Anteil. Die Debatte sei regional begrenzt, sagte sein Finanzchef Peter. “Wir gehen davon aus, dass unsere Diesel-Kunden sehr zufrieden sind.” Insgesamt sollen Absatz und Umsatz 2018 nur noch leicht nach oben zeigen. Im vergangenen Jahr waren die Auto-Verkaufszahlen um 4,1 Prozent auf 2,46 Millionen und der Umsatz um 4,8 Prozent auf knapp 99 Milliarden Euro gestiegen.

“EIN MARATHON, KEIN SPRINT”

BMW muss den Verkauf von Elektro- und Hybrid-Autos dringend anschieben, um die CO2-Grenzwerte in der EU künftig einhalten zu können - sonst drohen Strafzahlungen. 2018 sollen mindestens 140.000 Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge von BMW vom Band rollen, 2017 waren es 103.000. “Das ist ein Marathon, kein Sprint”, betonte Krüger. Der Kleinwagen Mini könnte eines Tages sogar ausschließlich mit einem Elektromotor angeboten werden, sagte Entwicklungs-Chef Fröhlich. Vor allem China treibt den Wandel vom Benzin- zum Elektromotor voran.

Doch der Umbruch in der Branche - vom Elektro-Auto bis zum autonomen Fahren - kostet Geld. “Wir haben 2018 große Aufgaben zu schultern, um am Ende des Jahres erneut einen Bestwert beim Ergebnis vor Steuern zu erreichen”, sagte Finanzvorstand Peter. Denn die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) steigen um fast eine Milliarde auf rund sieben Milliarden Euro. Bereits 2017 hatte BMW mit 6,1 Milliarden Euro 18 Prozent mehr für F&E ausgegeben. Auch in den nächsten beiden Jahren werde die F&E-Quote überdurchschnittlich ausfallen, wenn auch nicht mehr so hoch wie 2018, warnte Peter. Dazu komme der erstarkte Euro, dessen Folgen sich für BMW bis Jahresende auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag summieren dürften.

Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) im Kerngeschäft mit Autos will BMW trotz allem bei acht bis zehn Prozent halten. 2017 war sie mit 8,9 Prozent stabil. Das hochprofitable Gemeinschaftsunternehmen mit Brilliance in China ist dabei ausgeklammert. Einschließlich der Gewinne daraus läge die Marge bei rund zehn Prozent, rechnete Peter vor. Beim Nettogewinn profitierte BMW 2017 mit fast einer Milliarde Euro von der US-Steuerreform. Das trieb den Überschuss um gut ein Viertel auf 8,7 Milliarden Euro nach oben. Künftig werde sich die Steuerquote aber wieder auf die gewohnten rund 30 Prozent normalisieren.

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