March 18, 2020 / 11:34 AM / 10 days ago

Studie - Hunderttausende deutsche Firmen mit schlechter Bonität

The German share price index DAX graph is pictured at the stock exchange in Frankfurt, Germany, February 25, 2020. REUTERS/Staff

Berlin (Reuters) - Hunderttausende deutsche Firmen sind einer Studie zufolge schlecht gerüstet für die sich anbahnende Rezession durch die Corona-Krise.

“Viele Unternehmen starten trotz einer langen Phase der Hochkonjunktur mit schlechten Voraussetzungen in die vielleicht größte wirtschaftliche Krise der Nachkriegsgeschichte”, sagte Patrik-Ludwig Hantzsch von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform unter Berufung auf eine am Mittwoch veröffentlichte gemeinsame Untersuchung mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). “Mehr als zehn Prozent der Unternehmen der Privatwirtschaft, die älter als drei Jahre und damit den Kinderschuhen entwachsen sind, haben eine schwache oder noch schlechtere Bonitätsbewertung.” Es gehe hier um etwa 345.000 Unternehmen mit mehr als 1,5 Millionen Beschäftigten. Besonders die Gastronomie steche heraus: 16 Prozent der kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten weisen demnach eine schwache Bonitätsbewertung auf. Auch bei Automobilzulieferern (15 Prozent) und in der chemisch/pharmazeutischen Industrie (14 Prozent) sehe es nicht so gut aus.

Besser aufgestellt sind größere Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten. Aber auch hier sei die Gastronomie besonders pleitegefährdet, gefolgt vom Beherbergungsgewerbe sowie den Sport- und Freizeitdienstleistungen. In den beiden letztgenannten Branchen habe aber ein jeweils “erklecklicher Anteil” der großen Hotels und Freizeitunternehmen schon vor der Krise am Rande der Insolvenz gestanden. In den Untersuchungsergebnissen nicht enthalten sind die rund 440.000 jungen Unternehmen der Privatwirtschaft, die jünger als vier Jahre sind. Sie beschäftigen etwa 1,2 Millionen Mitarbeiter. Als Neueinsteiger seien sie oft grundsätzlich in einer angespannten finanziellen Situation. Daher sei davon auszugehen, dass diese jungen Unternehmen weitaus stärker gefährdet seien als die älteren.

“Diese Ergebnisse spiegeln die Strukturprobleme der privaten Wirtschaft in Deutschland vor der Corona-Krise wider”, erläuterte ZEW-Experte Georg Licht. “Sie zeigen die Verhältnisse zu Beginn der Krise. Die Branchen werden aber in ganz unterschiedlicher Weise durch einen monatelangen Stillstand des Wirtschaftslebens betroffen sein.” Größere Anschaffungen und womöglich auch Urlaubsreisen könnten zum Teil nachgeholt werden. Dienstreisen, Kino- und Konzertbesuche aller Voraussicht nach dagegen nicht. Freizeit-, Sport- und Kulturdienstleister dürften daher in besonderem Maße unter dem zeitweiligen Nachfrageausfall leiden. Je nach Dauer der Schließungen könnten ihre Jahresumsätze um 30 bis 40 Prozent geringer ausfallen, was auch Unternehmen mit vorher guter Bonität in die Insolvenz treiben könnte, wenn sie keine Unterstützung erhalten.

Die Bundesregierung hat im Kampf gegen die Krise unter anderem Kredite in unbegrenzter Höhe zugesagt. “Dass sie hierfür keine Grenzen definiert hat, ist richtig”, sagte Licht. “Der Erhalt der Unternehmensstrukturen über eine begrenzte Durststrecke hinweg ist auf längere Sicht ökonomisch besser, als eine Insolvenz von im Grunde gesunden Unternehmen zuzulassen, die dann nach der Krise erst wieder gegründet und neu aufgebaut werden müssen.”

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