April 12, 2017 / 5:40 AM / in 2 years

Ermittler - Nach BVB-Anschlag noch keine konkreten Hinweise

Berlin/Düsseldorf (Reuters) - Zwei Tage nach dem Attentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund (BVB) verfolgen die Ermittler nach eigenen Angaben noch keine heiße Spur.

Football Soccer - Borussia Dortmund v AS Monaco - UEFA Champions League Quarter Final First Leg - Signal Iduna Park, Dortmund, Germany - 12/4/17 The Dortmund team bus arrives with a Police escort before the match Reuters / Kai Pfaffenbach Livepic

Zwar beantragte der Generalbundesanwalt am Donnerstag Haftbefehl gegen einen 26-jährigen Iraker, der im Zuge der Fahndung am Mittwoch festgenommen worden war. Die Strafverfolger erklärten jedoch: “Die Ermittlungen haben bislang keinen Beleg dafür ergeben, dass der Beschuldigte an dem Anschlag beteiligt gewesen ist.” Aus Sicherheitskreisen verlautete, es werde in alle Richtungen ermittelt. Auf Kritik stieß die Entscheidung des europäischen Fußballverbandes Uefa, nur 24 Stunden nach dem Anschlag das Nachholspiel BVB gegen AS Monaco anzusetzen.

Dem Iraker wirft der Generalbundesanwalt die Mitgliedschaft in der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) vor. Abdul Beset A. werde verdächtigt, sich spätestens Ende 2014 dem IS angeschlossen zu haben. Er soll demnach im Irak das Kommando über etwa zehn Personen gehabt haben, die für die Vorbereitung von Entführungen, Verschleppungen, Erpressungen und Tötungen zuständig gewesen seien. Zudem soll er an Kämpfen des IS beteiligt gewesen sein. Auch in Deutschland habe er Kontakt zu IS-Mitgliedern gehalten. Ein Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof sollte noch am Donnerstag über den Haftantrag entscheiden.

ERMITTLUNGEN AUCH GEGEN LINKS- UND RECHTSEXTREMISTEN

Bei dem Anschlag waren am Dienstagabend der Spieler Marc Bartra und ein Polizist verletzt worden. Der BVB twitterte, Bartra werde voraussichtlich in vier Wochen wieder zum Team stoßen. Der Bundesanwaltschaft zufolge waren die drei gezündeten Sprengsätze mit Metallstiften bestückt. Einer der Stifte habe sich nach der Detonation in eine der Kopfstützen des Mannschaftsbusses gebohrt. “Wir können von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist”, sagte die Sprecherin der Anklagebehörde.

Ermittelt wird weiter in alle Richtungen. “Es gibt keine Festlegungen”, sagte eine mit den Ermittlungen vertraute Person Reuters. Bereits am Mittwoch waren Zweifel aufgetaucht, ob die drei identischen, am Tatort gefundenen Bekennerschreiben tatsächlich islamistischen Ursprungs sind. Zwar geben die Autoren vor, im Namen Allahs zu handeln und folgen damit der Rechtfertigungsrhetorik islamistischer Attentäter. Aber bislang wurden nie Bekennerschreiben nach islamistischen Anschlägen gefunden. Zudem entspricht der Sprachgebrauch der Schreiben Terrorismusexperten zufolge nicht den üblichen Verlautbarungen des IS. In den Sicherheitskreisen hieß es, ermittelt werde daher auch in Richtung rechter und linker Extremismus.

Die “Bild”-Zeitung berichtete, die drei Rohrbomben, die beim Vorbeifahren des Busses gezündet wurden, seien mit militärischen Zündern versehen gewesen. Dies deute auf besonders geschulte Attentäter, berichtete das Blatt unter Berufung auf Ermittler.

BVB VERLOR NACHHOLSPIEL - TRAINER ERBOST ÜBER SPIELANSETZUNG

Der BVB verlor am Mittwochabend das Nachholspiel gegen den AS Monaco mit 2:3. BVB-Trainer Thomas Tuchel warf der Uefa vor, kurz nach dem Anschlag am Dienstag ohne Rücksprache mit dem BVB entschieden zu haben, dass das Spiel gegen AS Monaco am Mittwochabend nachgeholt werde. “Wir wurden zu keinem Zeitpunkt gefragt”, sagte Tuchel am Mittwoch. Dabei hätte der BVB mehr Zeit gebraucht, um den Schock zu verarbeiten. Der frühere BVB-Trainer Jürgen Klopp, der jetzt für den FC Liverpool arbeitet, erklärte, er sei sich sicher, wenn die Uefa-Entscheider im Bus gewesen wären, hätte es kein Match am Mittwoch gegeben. Die Uefa widersprach der Darstellung, der Termin sei ohne Rücksprache mit beiden Mannschaften festgelegt worden.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verwies auf die Frage nach den Konsequenzen aus dem Anschlag auf ein Interview auf seiner Internetseite mit dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Hendrik Große Lefert. Demnach stehe man mit den Sicherheitsbehörden in engem Austausch.

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