July 26, 2008 / 12:17 PM / 11 years ago

Vermarkter Kirch zieht Einnahmegarantie für Bundesliga zurück

Frankfurt, 26. Jul (Reuters) - DFL-Partner Leo Kirch[KRCH.UL] will sich bei einem endgültigen Aus für eine spätere Sportschau aus der Vermarktung der Fußball-Bundesliga zurückziehen. “Dann bricht die Grundlage für das Modell weg. Dann sind wir auch nicht mehr in der Lage, 500 Millionen (Euro) zu garantieren”, sagte Kirch-Manager Dieter Hahn, der den Vermarktungsvertrag mit eingefädelt hatte, dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”. Der Deutschen Fußball-Liga eine niedrigere Summe aus den Fernseherlösen zu garantieren, sei “für die DFL so wenig interessant wie für uns”. Zugleich empfahl er der DFL indirekt, es auf eine juristische Auseinandersetzung mit dem Bundeskartellamt ankommen zu lassen.

Einem Bericht des “Focus” zufolge erwägt der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch, 450 Millionen Euro pro Saison für das komplette Rechtepaket zu bieten. Die Rechte könnten ein Lockmittel zum Einstieg in einen frei empfangbaren Sender in Deutschland sein, berichtete das Magazin ohne Angabe von Quellen vorab. Murdochs News CorporationNWSa.N hält gut 25 Prozent am Bezahlfernsehsender PremierePREGn.DE, der seinen Erfolg zu einem großen Teil auf Live-Übertragungen der Bundesliga stützt. Ein News-Corporation-Sprecher wollte sich am Samstag nicht äußern.

Das Kartellamt hatte der DFL am Donnerstag mit einem Verbot der Zentralvermarktung der Bundesliga gedroht, wenn die Samstagsspiele nicht vor 20 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen wären. Eines von zwei Modellen der DFL hatte deren Ausstrahlung erst um 22 Uhr vorgesehen. Die Wettbewerbsaufseher halten die Zentralvermarktung für ein Kartell der 36 Vereine und des Verbandes.

VABANQUESPIEL

Unter den Bedingungen des Kartellamts wäre die Vermarktung nach den DFL-Plänen für Kirchs Vermarktungsgesellschaft Sirius “ein Vabanquespiel, bei dem man viel Geld verlieren kann”, sagte Kirchs Vertrauter Hahn dem “Spiegel”. Dem Kartellamt warf er “pure Interessenpolitik zugunsten der ARD” vor. Sirius sollte die Bundesligarechte von der Saison 2009/10 an an frei empfangbare und Pay-TV-Sender vermarkten. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert befürchtet, dass die Liga nun pro Jahr sogar weniger als die bisherigen 420 Millionen Euro aus den Fernsehverträgen einnehmen könnte.

Die DFL prüft nach eigenen Angaben rechtliche Schritte und arbeitet zugleich an neuen Vermarktungsmodellen, die der Behörde genehm sein könnten. Hahn verwies darauf, dass das Kartellamt noch keine offizielle Entscheidung gefällt habe: “Noch hat das Amt nichts untersagt, sondern nur eine Empfehlung geäußert. Aber ohne formelle Untersagung kann man gegen willkürliche Entscheidungen des Kartellamts wohl auch nicht juristisch vorgehen.” Ob es die DFL darauf ankommen lasse, müsse sie selbst entscheiden. Gegen Kartellverbote kann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde eingelegt werden. Der Bundeswirtschaftsminister kann sie außerdem aus übergeordnetem Interesse mit einer sogenannten “Minister-Erlaubnis” kippen.

axh/dry

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