March 4, 2008 / 6:16 PM / 11 years ago

Brandkatastrophe in Ludwigshafen kein Anschlag

Ludwigshafen (Reuters) - Die Brandkatastrophe von Ludwigshafen geht nach einem Zwischenbericht der Ermittler nicht auf einen fremdenfeindlichen Anschlag oder Brandstiftung zurück.

Beides sei “äußert unwahrscheinlich”, sagte Oberstaatsanwalt Lothar Liebig am Dienstag. Auch einen Monat nach dem Unglück mit neun Toten kennen die Experten die genaue Brandursache noch nicht. Am wahrscheinlichsten sei, dass das Feuer fahrlässig ausgelöst worden sei - etwa durch eine weggeworfene Zigarette. Belege dafür gebe es aber nicht.

“Wir haben keine schlüssige Brandursache”, sagte Liebig, der die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankenthal leitet. Nach der Auswertung von über 200 Spuren und der Vernehmung von mehr als 100 Zeugen gebe es keine Hinweise auf einen Anschlag oder vorsätzliche Brandstiftung. So seien keine Spuren von Brandbeschleunigern wie Benzin oder anderen brennbaren Stoffen wie Wachs gefunden worden. Auch die Aussagen von zwei Mädchen, ein Fremder habe das Feuer gelegt, seien nicht haltbar.

Dennoch würden die Ermittlungen weitergeführt, sagte Liebig. Feststehe, dass das verheerende Feuer unter der Kellertreppe als eng begrenzter Schwelbrand begonnen habe. Bevor offene Flammen aufgelodert seien, habe es mindestens 15 Minuten bis drei Stunden gedauert. Der Brand habe sich dann allerdings sehr schnell im gesamten Treppenhaus ausgebreitet, nachdem die Kellertür entweder geöffnet worden oder durchgebrannt sei.

Ein technischer Defekt wie ein Schaden an einer Steckdose oder einem Endgerät scheide als Ursache aus, sagte Liebig. An dem betreffenden Ort gebe es keine Leitungen. Auch gebe es keine Hinweise zum Beispiel auf Funkenflug durch Handwerksarbeiten.

Gegen einen Anschlag spreche auch, dass sich wegen Fasching über 60 Personen in dem Haus aufgehalten hätten, was für mögliche Täter ein sehr hohes Entdeckungsrisiko bedeutet hätte. “Das Wahrscheinlichste ist, dass das Feuer durch ein wie auch immer geartetes fahrlässiges Verhalten ausgelöst worden ist”, sagte Liebig. Dies könne auch eine weggeworfene Kippe oder ähnliches gewesen sein. Das Feuer habe jedoch wenig Spuren übrig gelassen.

Die Aussagen der Mädchen, sie hätten einen zündelnden Mann gesehen, hätten einer Überprüfung durch einen Psychologen nicht standgehalten, sagte der Staatsanwalt. Die Kinder, die selbst Angehörige verloren hätten, hätten für sich eine Erklärung gebraucht, warum es zu dem Feuer gekommen sei. Bei dem Brand waren am 3. Februar neun Frauen und Kinder ums Leben gekommen und 60 Personen verletzt worden. Die Opfer waren wie alle Bewohner des über hundert Jahre alten Hauses Türken. Spekulationen über einen Anschlag hatten zeitweise die deutsch-türkischen Beziehungen belastet.

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