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Wirtschaftsnachrichten

Bundesbank - Banken müssen sich für Insolvenzwelle wappnen

FILE PHOTO: Pens with the Bundesbank's logo are pictured ahead of the annual news conference in Frankfurt, Germany, February 27, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

Frankfurt (Reuters) - Die Banken in Deutschland müssen sich in der Corona-Pandemie auf eine Welle von Firmenpleiten und steigende Kreditausfälle einstellen.

“Im gesamten Unternehmenssektor könnten die Insolvenzen in den ersten Monaten des Jahres 2021 auf über 6000 pro Quartal steigen”, warnte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch am Dienstag bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2020. Das wäre ein Anstieg um mehr als 35 Prozent, aber weniger als in der globalen Finanzkrise, als etwa 8000 Unternehmen pro Quartal pleitegingen. Die Kreditausfälle dürften sich auf 0,8 Prozent des Kreditbestands vervierfachen, die Belastungen auf rund 13 Milliarden Euro summieren, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Dieses Szenario sei für die Kreditinstitute verkraftbar. Ein deutlich stärkerer Anstieg der Insolvenzen sei aber nicht ausgeschlossen.

Wie stark die Krise einzelne Banken trifft, hängt von deren jeweiligen Kreditportfolio ab. “Es können schon bei dem ein oder anderen Institut gravierende Schäden entstehen”, sagte Wuermeling. Zudem erhöht die Corona-Pandemie den Druck auf die chronisch ertragsschwachen deutschen Geldhäuser, die seit Jahren unter den niedrigen Zinsen und dem harten Wettbewerb leiden. “Es ist unschön, wenn bei stotterndem Motor auch noch ein Reifen platzt”, sagte Wuermeling. Nach der Krise müsse Deutschland zu einem wirklich nachhaltigen Bankensystem kommen. “Dazu sind weitaus größere Anstrengungen erforderlich.”

Die zu Ausbruch der Krise befürchtete Kreditklemme ist bislang ausgeblieben. “Das deutsche Finanzsystem hat sich als stabil erwiesen. Bislang hat es in der Corona-Pandemie seine zentralen Funktionen erfüllt”, sagte Buch. Die Banken sollten die im Frühjahr von den Aufsehern gewährten Erleichterungen verwenden, um die Geldschleusen trotz wachsender Kreditausfälle offenzuhalten. “Banken sollten ihre Kapitalpuffer nutzen, um Verluste aufzufangen und die Wirtschaft weiter angemessen mit Krediten zu versorgen”, forderte Buch. “Sie sollten gleichzeitig die Ausschüttung von Gewinnen begrenzen.”

Auch wenn das Finanzsystem die Auswirkungen der Corona-Pandemie bisher gut verkraftet hat, dürften die bestehenden Verwundbarkeiten mittelfristig zunehmen, warnte Buch. Die weiterhin niedrigen Zinsen könnten dazu führen, dass Marktteilnehmer auf der Suche nach Rendite höhere Risiken eingingen. “Diesen Aufbau von Risiken müssen wir weiter im Blick behalten”, sagte sie. “Die in der Krise temporär genutzte aufsichtliche Flexibilität bedeutet nicht, dass die Anforderungen an die Widerstandskraft des Finanzsystems dauerhaft sinken.”

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