April 24, 2018 / 3:49 PM / 6 months ago

Kartellamt sieht Facebooks Daten-Sammlung kritisch

Bonn (Reuters) - Facebook durchleuchtet die Verbraucher nach Ansicht des Bundeskartellamts genauer als sie es erkennen können.

FILE PHOTO: A picture illustration shows a Facebook logo reflected in a person's eye, in Zenica, March 13, 2015. REUTERS/Dado Ruvic/Illustration/File Photo

Aufgrund der marktbeherrschenden Stellung des sozialen Netzwerks könnten die Bürger dieser Entwicklung offenbar auch nicht ausweichen, sagte der Chef des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Der US-Konzern hat nach Einschätzung der Behörde im Markt sozialer Netzwerke einen Marktanteil in Deutschland von mehr als 90 Prozent. “Facebook erfasst die halbe deutsche Online-Bevölkerung”, sagte Mundt: “In Summe sind das beeindruckende Zahlen, so dass wir zu der vorläufigen Bewertung gelangt sind, dass Facebook ... in einem kartellrechtlichen Sinne marktbeherrschend ist.” Facebook erfasse umfassend Daten der Nutzer, um sie unter anderem für gezielte Werbung einzusetzen. Problematisch erscheine, dass das Netzwerk auch dort Daten absauge, wo es der Nutzer nicht erkennen könne.

“Facebook sammelt auch Daten auf Seiten, wo man gar nicht Facebook sieht, weil sie hier ihre Analysetools für Webseiten einsetzen”, sagte Mundt weiter: “Dadurch weiß Facebook sehr, sehr genau, wie ich mich im Netz verhalte.” Es komme ein “recht vollständiges Bild” der Nutzer zusammen. “Das ist relativ nah an einem gewissen Profiling”, fügte er hinzu. “Wenn Facebook marktbeherrschend ist, dann ist die Einwilligung, die der Nutzer gibt, dass seine Daten voll umfänglich genutzt werden, eben auch nicht mehr freiwillig, weil er gar nicht ausweichen kann”, kritisierte Mundt: “Er ist darauf angewiesen, Facebook zu nutzen, wenn er ein soziales Netzwerk nutzen will.”

Das Kartellamt hat vor gut zwei Jahren ein Verwaltungsverfahren gegen den US-Konzern eingeleitet. Die Bonner Behörde prüft, ob das weltgrößte Internet-Netzwerk seine Marktmacht missbraucht. Am Ende des Verfahrens wird indes kein Bußgeld stehen - vielmehr könnten die Wettbewerbshüter Facebook zwingen, bestimmte Praktiken abzustellen. Das Kartellamt hatte den US-Konzern zu einer Stellungnahme aufgefordert. Facebook bestreitet, in Deutschland ein Monopol errichtet zu haben und will mit der Behörde kooperieren. “Wie das Verfahren weitergeht, hängt natürlich sehr stark davon ab, wie Facebook uns antwortet”, sagte Mundt. Das Kartellamt meint es aber ernst: Das Verfahren sei “ausdrücklich kein experimentelles Vorgehen”.

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