July 10, 2010 / 10:43 AM / in 10 years

Heeres-Inspekteur will trotz Sparens deutlich mehr Kampftruppen

Bundeswehr-Soldat auf Patrouille nahe Kundus am 13. Mai 2010. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Heeres-Chef Werner Freers will trotz der geplanten drastischen Verkleinerung der Bundeswehr die Zahl der Kampftruppen in der Armee deutlich aufstocken.

“Die Infanterie ist in den Einsätzen von heute und morgen besonders gefordert”, sagte der Inspekteur des Heeres der “Welt” vom Samstag. Ihre Soldaten trügen die höchste Einsatzlast und das höchste Risiko. Sie dürften nicht durch zu viele Einsätze und dazwischen zu wenig Regenerationszeit überstrapaziert werden, weil es zu wenige von ihnen gebe.

“Diese Kräfte werde ich daher so weit wie möglich stärken und ihren Anteil im Heer deutlich erhöhen”, kündigte Freers an. Dafür nehme er auch Einschränkungen an anderer Stelle in Kauf. Zur Größenordnung der Aufstockung äußerte sich Freers nicht. Im Mai hatte er noch vor der Spardebatte für die Aufstellung von sechs zusätzlichen Infanterie-Bataillonen plädiert. Ein Infanterie-Bataillon umfasst zwischen 800 und 1200 Soldaten.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg lässt derzeit eine Verkleinerung der Bundeswehr um 40.000 Zeit- und Berufssoldaten sowie eine Aussetzung des Wehrdienstes prüfen. Die Bundeswehr würde damit von 250.000 auf rund 150.000 Soldaten schrumpfen. Außerdem sind radikale Einschnitte bei den Rüstungsprojekten zu erwarten.

In der Koalition wächst einem “Spiegel”-Bericht zufolge der Unmut über Guttenbergs Sparpläne. Die Sicherheitslage habe sich seit dem letzten Weißbuch von 2006 nicht verbessert, sagte der Unions-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck dem Magazin. “Wieso sollten wir heute mit einer derart geschrumpften Armee auskommen?” Die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff forderte eine sicherheitspolitische Begründung für den Umbau der Bundeswehr. “Allein der Verweis auf finanzielle Zwänge wird nicht genügen, die dringend notwendigen Reformen bei den Streitkräften durchzusetzen”, sagte sie.

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Gernot Erler kritisierte unterdessen die Ankündigung von Außenminister Guido Westerwelle als blutleer, dass die Bundeswehr 2011 die erste Provinz im Norden Afghanistans an die einheimischen Sicherheitskräfte übergeben werde. Es entstehe zum wiederholten Mal der Eindruck, dass Hoffnungen geweckt würden, die keine realistische Basis hätten, sagte Erler dem Deutschlandradio Kultur.

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