March 28, 2018 / 12:43 PM / 5 months ago

Bundeswehr bekommt nach Wehrmachtsaffäre neue Traditionsregeln

Hannover (Reuters) - Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat Konsequenzen aus dem Fund von Wehrmachts-Andenken in Kasernen gezogen und der Truppe neue Regeln für den Umgang mit der eigenen Tradition gegeben.

German Defence Minister Ursula von der Leyen (C) walks with General Joerg Vollmer, General Inspector of the German Land Army (L), and General Volker Wieker, Inspector General of Germany's Armed Forces in Bundeswehr, during her visit at the 291st fighter squadron based at the "Quartier Leclerc", a military facility for French and German military units in Illkirch-Graffenstaden near Strasbourg, France May 3, 2017. REUTERS/Vincent Kessler

“Wir sind die Streitkräfte einer gereiften, weltweit anerkannten Demokratie. Daher gilt es, die eigene, über 60-jährige reiche Geschichte der Bundeswehr in den Mittelpunkt unserer Erinnerungskultur zu stellen”, sagte die Ministerin nach der Unterzeichnung des neuen Traditionserlasses am Mittwoch in Hannover: “Auf diese Geschichte darf die Bundeswehr unendlich stolz sein. Sie ist das Fundament unserer Zukunft.”

2017 waren nach der Festnahme des mutmaßlich rechtsextremen Offiziers Franco A. in Kasernen Wehrmachts-Andenken entdeckt worden. Von der Leyen kündigte daraufhin eine Überarbeitung des alten Traditionserlasses an, der noch aus dem Jahr 1982 und damit aus der Zeit des Kalten Krieges stammte. Den neuen Erlass unterzeichnete die Ministerin in der “Emmich-Cambrai-Kaserne” in Hannover, die sie in “Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne” umbenannte. Damit trägt erstmals eine Kaserne den Namen eines Bundeswehr-Soldaten, der im Auslandseinsatz gefallen ist.

Der Leibwächter Tobias Lagenstein wurde im Mai 2011 bei einem Anschlag in Afghanistan getötet. Seine Schutzperson, der deutsche Kommandeur Markus Kneip, überlebte schwer verwundet. Der alte Name der Kaserne erinnerte an einen preußischen General und die besetzte französische Stadt Cambrai. Die Initiative zur Umbenennung ging von den Soldaten aus. Kneip, heute Stabschef im Nato-Hauptquartier, sagte bei der Zeremonie: “Für mich ist es natürlich sehr bewegend, die Familie wiederzusehen, mich an den Kameraden, der an meiner Seite gefallen ist, zu erinnern.”

VON DER LEYEN - WIR MÜSSEN WISSEN, WOHER WIR KOMMEN

Von der Leyen erinnerte daran, dass der bisherige Traditionserlass aus einer völlig anderen Zeit stammte. “Der alte Traditionserlass wusste noch nichts von der Armee der Einheit und von der Armee im Einsatz.” Gerade weil sich die Herausforderungen an die Bundeswehr so schnell veränderten, brauche es ein gemeinsames Verständnis der Vergangenheit.

Mit Blick auf das NS-Regime hält auch der neue Erlass daran fest, dass die Wehrmacht als Institution nicht traditionsbildend für die Bundeswehr ist. “Die Wehrmacht diente dem nationalsozialistischen Unrechtsregime und war in dessen Verbrechen schuldhaft verstrickt, die in ihrem Ausmaß, in ihrem Schrecken und im Grad ihrer staatlichen Organisation einzigartig in der Geschichte sind”, heißt es. Auch die Nationale Volksarmee der DDR könne nicht traditionsbildend sein.

Zugleich bleibt es dabei, dass einzelne Angehörige der Wehrmacht oder der NVA nach gründlicher Prüfung in das Traditionsgut der Bundeswehr aufgenommen werden können. “Dieses Abwägen muss die Frage persönlicher Schuld berücksichtigen und eine Leistung zur Bedingung machen, die vorbildlich und sinnstiftend in die Gegenwart wirkt, etwa die Beteiligung am militärischen Widerstand gegen das NS-Regime oder besondere Verdienste um den Aufbau der Bundeswehr”, heißt es im Erlass.

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels begrüßte den neuen Traditionserlass. “Was sich jetzt ändert, ist der Blick auf die sechs Jahrzehnte eigene Bundeswehrgeschichte”, sagte der SPD-Politiker dem “Kölner Stadt-Anzeiger”. Die Zeit dafür sei reif. Die Grünen-Politikerin Agnieszka Brugger mahnte, der Erlass müsse mit Leben gefüllt werden und dürfe nicht nur ein Stück Papier bleiben. Er mache deutlich, “welche Traditionen keinen Platz in der Bundeswehr haben und gibt den Rahmen für ein modernes Selbstverständnis.”

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