November 27, 2018 / 1:17 PM / 20 days ago

Landgericht verurteilt BVB-Bombenleger zu 14 Jahren Haft

Sergej W., a man suspected of detonating three bombs targeting the Borussia Dortmund soccer team bus in April, arrives to stand trial at a German state court in Dortmund, Germany, January 29, 2018. REUTERS/Leon Kuegeler

Dortmund (Reuters) - Gut eineinhalb Jahre nach dem Sprengstoffanschlag auf die Fußballer von Borussia Dortmund (BVB) hat das Landgericht Dortmund den Bombenleger Sergej W. zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Dieser habe sich des versuchten Mordes in bis zu 29 Fällen, der gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion schuldig gemacht, sagte Richter Peter Windgätter am Dienstag. “Die Tat war von langer Hand akribisch geplant”, betonte er. Der Angeklagte habe aus Habgier gehandelt. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert und will nun prüfen, ob sie gegen das Urteil vorgeht. W.s Verteidigung hatte für eine Haftstrafe deutlich unter zehn Jahren plädiert. Auch sie ließ offen, ob sie in Revision gehen will.

Am Abend des 11. April 2017 waren neben dem BVB-Mannschaftsbus drei Sprengsätze detoniert. Der damalige BVB-Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. W. nahm das Urteil äußerlich ungerührt hin.

Der in Russland geborene und im Alter von 13 Jahren nach Deutschland gekommene W. habe im Oktober 2016 den Entschluss für den Anschlag gefasst, erklärte das Gericht. Er habe mit Optionsscheinen auf fallende Kurs der BVB-Aktien setzen und damit einen sechsstelligen Betrag einstreichen wollen. Dazu habe er sich über einen Bankkredit 40.000 Euro besorgt. Um seine Spur zu vertuschen, habe W. Hinweise auf angebliche belgische Islamisten am Tatort deponiert, unter anderem ein gefälschtes Bekennerschreiben und in Belgien gekaufte Lebensmittel. Die Polizei kam ihm trotzdem rasch auf die Spur, denn W. hatte seine Aktien-Transaktionen unter anderem auch von einem Computer des Mannschaftshotels des BVB aus getätigt. W. sei zum Zeitpunkt der Tat voll schuldfähig gewesen.

RICHTER: “MÖGLICHKEIT, DASS MENSCHEN ZU TODE KOMMEN”

Neben dem Mannschaftsbus der Fußballer waren nach der Abfahrt vom Mannschaftshotel “L’Arivee” drei mit Metallstiften bestückte Sprengsätze explodiert. Der heute 29-jährige W. hatte diese dem Gericht zufolge über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke deponiert. Dies entspreche den Abmessungen des BVB-Busses. Als der Bus um 19.16 Uhr auf der Fahrt zu einem Spiel der Champions League die Stelle passierte, habe der Angeklagte von seinem Zimmer im Hotel aus die Sprengsätze gezündet. Zum Glück für Busfahrer, Betreuer und Spieler des BVB entwickelten die Bomben aber durch eine Verpuffung nicht ihre volle Wirkung. Dies hätten auch Sachverständigte im Verfahren bescheinigt. Der Spieler Bartra und ein Polizist wurden indes verletzt. Eineinhalb Wochen nach der Tat hatte eine Spezialtruppe der GSG-9 den Deutsch-Russen in Tübingen festgenommen.

Der Angeklagte habe “mit der Möglichkeit gerechnet, dass Insassen des Busses zu Tode kommen”, sagte Richter Windgätter. Die Insassen des Busses seien durch die Tat “psychisch beeinträchtigt worden - zum Teil bis heute”. Dabei hätten die Spieler unter großem Druck gestanden und bereits kurz nach der Tat das Champions-League-Spiel nachholen müssen: “Darüber waren viele nicht glücklich.”

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