November 16, 2010 / 9:58 AM / 9 years ago

CDU will striktes Verbot für Gentests an Embryonen

Karlsruhe (Reuters) - Die CDU hat sich für ein Verbot von Gentests an Embryonen ausgesprochen.

Flags of Germany's conservative party Christian Democratic Union (CDU) flutter in the wind outside the hall, one day ahead of the CDU party convention in Karlsruhe, November 14, 2010. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Der CDU-Parteitag in Karlsruhe schloss sich am Dienstag nach fast vierstündiger Debatte mit knapper Mehrheit von 51 Prozent den Gegnern der sogenannten Präimplantationsdiagnostik (PID) an. Für diese Position hatten auf dem Kongress CDU-Chefin Angela Merkel, Generalsekretär Hermann Gröhe und Fraktionschef Volker Kauder geworben. Andere prominente CDU-Politiker wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Familienministerin Kristina Schröder hatten dagegen für die Zulassung der PID in engen Grenzen geworben. Mit der Entscheidung hält die CDU an dem im Grundsatzprogramm verankerten Verbot fest.

Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf Gendefekte untersucht, um gegebenenfalls aussortiert zu werden.

Die Delegierten pochten auf einen eindeutigen Beschluss: Ein Vorschlag, eine Entscheidung zu vertagen und weitere Analysen vorzunehmen, stieß auf Ablehnung.

Die Debatte hat für die CDU große Bedeutung, da sich die Partei in besonderer Weise auf ihre christlichen Grundlagen beruft. So hatte Merkel in ihrer Rede am Montag mehrfach die Bedeutung des “C” im Parteinamen betont. Zudem wollte die CDU-Führung mit den ausgiebigen Beratungen deutlich machen, dass die Partei sich grundsätzlichen Fragen des Lebensschutzes stellt und kontroverse Meinungen zulässt.

Auslöser der Debatte ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs, wonach die Überprüfung von Embryonen auf Gendefekte in Deutschland zulässig ist.

Gröhe sagte, noch so enge Ausnahmeregelungen könnten das Problem nicht lösen. “Wir werden mehr und mehr hineingezogen in Entscheidungen, in denen am Ende doch entschieden wird, welches Leben zugelassen und welches Leben verworfen wird.” Dies sei mit der “Heiligkeit des Lebens” unvereinbar.

PID-BEFÜRWORTER ARGUMENTIEREN MIT GEFAHR VON TOTGEBURTEN

Für die Befürworter unterstrich Wirtschafts-Staatssekretär Peter Hintze, die PID sei für genetisch vorbelastete Menschen in einer schweren seelischen Notlage wichtig. Er verstehe nicht, warum die Untersuchung des Embryos im Mutterleib erlaubt sei, nicht aber in der Petri-Schale. Es sei ein Gebot der humanitären Vernunft, im Vorfeld festzustellen, ob etwa die Gefahr einer qualvollen Totgeburt bestehe. Die Politik müsse alles daran setzen, Leid und Tränen zu verhindern.

CDU-Vizechefin von der Leyen sagte, bei der PID gehe es um Paare, die oft schon mehrere Fehl- und Totgeburten oder den Tod eines Kindes in den ersten Tagen nach der Geburt erlebt hätten oder bereits ein behindertes Kind pflegten. Sie wollten dies nicht noch einmal durchleben.

Kauder warnte dagegen: “Wir machen eine Tür auf und wissen nicht, was nach der Tür kommt.” Das Risiko bei einer Zulassung sei zu groß.

Die Fraktionsspitzen von Union und FDP hatten ihren Abgeordneten bei dem Thema eine freie Gewissensentscheidung ohne Fraktionszwang zugestanden. Wie bei anderen ethischen Streitfragen soll es fraktionsübergreifende Gruppenanträge geben. Die FDP hat deutlich gemacht, mit ihr werde es mehrheitlich kein striktes Nein für ein Verbot der PID geben.

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sprach von einer rückwärtsgewandten Entscheidung, die dem Leid junger Eltern in schwierigen Grenzsituationen nicht gerecht werde. FDP-Fraktionsvize Ulrike Flach sieht angesichts der fast gleich starken Lager in der CDU nun gute Chancen, eine begrenzte Zulassung der PID im Parlament durchzusetzen.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below