February 26, 2018 / 8:31 AM / 4 months ago

PORTRÄT-Anja Karliczek - Merkels nächste Überraschungskandidatin

Berlin (Reuters) - “Abwarten”, sagte der nordrhein-westfälische CDU-Chef Armin Laschet und grinste, als er am Sonntag gefragt wurde, ob ein Ministerposten für den größten CDU-Landesverband denn reicht.

Anja Karliczek poses before a Christian Democratic Union (CDU) party congress in Berlin, Germany, February 26, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch

Da wusste er schon, dass Parteichefin Angela Merkel nach ihrer Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem Nordrhein-Westfalen Jens Spahn als Gesundheitsminister eine dritte überraschende Personalie beschlossen hatte. Denn neue Forschungs- und Bildungsministerin soll Anja Karliczek aus dem Wahlkreis Steinfurt in NRW werden.

Die Diplom-Kauffrau und verheiratete Mutter von drei Kindern hatte kaum jemand auf der Agenda, obwohl sie als parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion seit Anfang 2017 durchaus schon zur zweiten Garde in der Fraktion gehört. Dort wird sie von Kollegen als “zupackend” und willensstark beschrieben. Gelobt wird ausdrücklich sowohl ihre Bodenständigkeit als auch ihre Fähigkeit zur Kommunikation - mit anderen Politikern und mit Bürgern.

Zunächst hatte die aus einer Hoteliersfamilie stammende Karliczek im Tourismusausschuss des Bundestages gesessen. Die heute 46-Jährige rückte aber auch in den wichtigen Finanzausschuss vor und ist dort etwa als Berichterstatterin für die betriebliche Altersvorsorge zuständig. Zudem ist sie stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss. Nicht ganz unwichtig dürfte bei der Auswahl auch sein, dass sie, wie Kramp-Karrenbauer und Spahn, katholischen Glaubens ist. Denn in der West-CDU gab es seit längerem grummeln, dass mit Merkel, Fraktionschef Volker Kauder, und bisher auch Wolfgang Schäuble vor allem Protestanten die Top-Positionen besetzten.

Karliczek genießt nach Angaben aus Unionskreisen Ansehen als sehr gründliche Parlamentarierin. Besondere Nähe zu dem neuen Ressort Bildung und Forschung wurden ihr anders als ihrer Vorgängerin Johanna Wanka bisher zwar nicht nachgesagt. Das ist aus Merkels Sicht aber kein Nachteil - die ja selbst in ihrer Karriere immer wieder gefragt wurde, was sie erst zur Familien- und dann zur Umweltministerin qualifizierte. Allerdings hat die CDU-Chefin seit längerem klar gemacht, wie wichtig ihr das Thema Forschung und Bildung gerade in dieser Legislaturperiode ist.

Indirekt profitiert hat Karliczek wohl auch davon, dass Merkel es mit zunehmender Amtszeit nach eigenen Worten immer ernster meint mit ihrer angekündigten Frauenförderung. Laschet hatte am Sonntag im Deutschlandfunk nochmals betont, die Kanzlerin habe zugesagt, dass die Hälfte der sechs CDU-Ministerposten mit Frauen besetzt werden sollten.

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