December 4, 2008 / 4:27 PM / 11 years ago

Chemiebranche stellt sich auf härtere Zeiten ein

Frankfurt (Reuters) - Der Konjunktureinbruch wird die lange erfolgsverwöhnte Chemiebranche im nächsten Jahr voll erwischen.

Für 2009 rechnet Deutschlands viertgrößter Industriezweig erstmals seit sieben Jahren mit einem Rückgang seiner Produktion. Zuletzt war die Fertigung in der Chemiebranche im Jahre 2001 mit einem Minus von 2,2 Prozent geschrumpft. Nun wird für 2009 ein Produktionsminus von einem Prozent erwartet. “Unsere Unternehmen stellen sich mit einem Bündel von Maßnahmen auf die Rezession ein”, sagte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Ulrich Lehner, am Donnerstag in Frankfurt. Sie zögen etwa Wartungsarbeiten vor oder schöpften Arbeitszeitkonten aus. “Die Unternehmen tun alles, um ihre Stammbelegschaft halten zu können”, sagte Lehner.

In den Auftragsbüchern der Firmen macht sich Lehner zufolge die sinkende Nachfrage aus der Industrie stark bemerkbar. “Wir glauben, dass die Schwächephase deutlich ins Jahr 2009 reinragen wird.” Beim Branchenumsatz rechnet er für das kommende Jahr sogar mit einem Minus von eineinhalb Prozent. Auch die Erzeugerpreise gingen angesichts geringerer Rohstoffpreise wahrscheinlich um 0,5 Prozent zurück. Die Firmen produzierten im laufenden vierten Quartal zum Teil auf Halde, sagte der Verbandschef. Angesichts sinkender Rohstoffpreise seien die Lagerbestände zudem abschreibungsgefährdet.

Der Wirtschaftseinbruch infolge der Finanzkrise macht der Branche weltweit zu schaffen. Branchenprimus BASF etwa will wegen des Nachfrageschwunds weltweit rund 80 Anlagen vorübergehend stilllegen, die Produktion in weiteren 100 drosseln und hat auch Kurzarbeit nicht ausgeschlossen. Auch der saudische Chemieriese Sabic will in Euopa seine Produktion drosseln. Der US-Konzern DuPont kündigte am Donnerstag den Abbau von weltweit 2500 Stellen an stellte für das Schlussquartal 2008 einen Verlust in Aussicht.

Da sie sämtliche Industriezweige beliefert, spiegelt die Chemieindustrie die Konjunkturzyklen frühzeitig wider. “Jetzt kommt die Zeit, mal eine Krise abzuwettern”, sagte Lehner. Staatliche Milliardenhilfen fordert die Branche gleichwohl nicht. “Unsere Unternehmen brauchen keinen Rettungsschirm”, betonte Lehner. Finanzierungsschwierigkeiten hätten die Firmen derzeit nicht.

PRODUKTION STAGNIERT IN DIESEM JAHR

Bereits für dieses Jahr erwartet die Branche bei der Produktion nur noch ein Nullwachstum. Zuletzt war noch ein Produktionsanstieg von einem Prozent in Aussicht gestellt worden. Angesichts der immer schwächeren werdenden Konjunktur hatte der VCI wiederholt für 2008 seine Prognosen nach unten schrauben müssen. Der Branchenumsatz werde dieses Jahr voraussichtlich nur noch um drei Prozent auf 178,8 Milliarden Euro zulegen, die Erzeugerpreise um fünf Prozent steigen. Die Zahl der Arbeitsplätze blieb annähernd stabil. Im Durchschnitt arbeiteten in diesem Jahr 438.500 Menschen in der Chemieindustrie.

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