September 17, 2014 / 5:18 PM / 4 years ago

Skandale "made in China" erschüttern Frankfurter Börse

- von Andreas Kröner und Alexander Hübner und Edward Taylor

Frankfurt (Reuters) - Skandale bei chinesischen Firmen mit Frankfurter Börsennotiz sorgen in der Finanzbranche für Unmut.

Jüngster Fall ist der Schuhhersteller Ultrasonic, bei dem der Vorstandschef und große Teile des Firmenvermögens verschwunden sind. Ähnliches war in diesem Jahr bereits beim Verpackungs-Hersteller Youbisheng Green Paper und dem Modehersteller Kinghero passiert. “Anlegern kann man nur raten, von Investments in unbekannte Aktien aus China Abstand zu nehmen”, sagte Daniel Bauer, Vorstandsmitglieder des Aktionärsschützer-Verbands SdK, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

“Ich tue mich schwer, das zu verstehen”, erklärte Jens Hecht von der Hamburger Firma Kirchhoff Consult, die chinesische Unternehmen bei Börsengängen beraten hat. “Aber gegen Betrug kann man nichts machen.” Der SdK sieht dagegen eine Mitschuld bei Wirtschaftsprüfern, die den Wert des operativen Geschäfts von chinesischen Firmen vor einem prüfen. Das gleiche gelte für die Emissionshäusern, die die Börsengang begleiten. “Geschädigte müssen prüfen, inwieweit man die beteiligten Berater in Haftung nehmen kann”, rät SdK-Vorstand Bauer. “Denn in China die Hintermänner zu verklagen, erscheint aussichtslos.”

Die Deutsche Börse hat viele Jahre dafür geworben, dass chinesische Unternehmen in Frankfurt an die Börse gehen. Zahlreiche Firmen sind diesem Ruf gefolgt, aktuell sind im regulierten Markt 25 chinesische Unternehmen notiert. Die Hoffnung, dass sich mit der Zeit auch chinesische Schwergewichte für ein Initial Public Offering (IPO) in Frankfurt entscheiden, hat sich jedoch nicht erfüllt. Chinas führender Online-Händler Alibaba geht beispielsweise am Freitag in New York an die Börse. Die Deutsche Börse hat deshalb schon im Sommer 2013 entschieden, “aus betriebswirtschaftlichen Gründen” nicht mehr aktiv um Börsenkandidaten aus China zu werben, wie ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch erklärte.

“LETZTENDLICH ENTSCHEIDET DER MARKT”

Kritiker wie SdK-Vorstand Bauer fordern, dass die Deutsche Börse chinesische Firmen besser kontrollieren müsste. Das Unternehmen wies das zurück. Die Börse organisiere lediglich den Handel und kontrolliere die Einhaltung von Standards, zum Beispiel die fristgerechte Vorlage von Jahresabschlüssen. Die Prüfung von Firmen vor dem Börsengang sei die Aufgabe der beteiligten Banken. Alle chinesischen Firmen im Prime Standard hätten vor ihrem IPO Wertpapierprospekte vorgelegt, die von der Finanzaufsicht BaFin genehmigt worden seien. “Letztendlich entscheidet der Markt über die Börsenreife und Qualität von Unternehmen, nämlich Investoren im Rahmen eines Börsengangs mit der Zeichnung der Aktien”, erklärte der Börsenbetreiber weiter. “Diese sollten in der Lage sein, die Chancen und Risiken von Geschäftsmodellen und auch der Corporate Governance des Managements zu beurteilen und Risiken zu tragen.”

Bei vielen chinesischen Firmen steht beim Börsengang nicht der Emissionserlös im Vordergrund, wie der nun verschwundene Ultrasonic-Chef Qingyong Wu beim Börsendebüt 2011 offen zugab. Er erhoffte sich durch die Börsennotiz jedoch einen leichten Zugang zu Bankkrediten in China. Vielen chinesischen Unternehmen gehe es bei der Börsennotiz in Deutschland um Image und um Geld, betont Berater Hecht. “Die Hoffnung auf letzteres wurde aber in den letzten Fällen meistens enttäuscht.”

Die in Frankfurt gelisteten Unternehmen aus China haben in der Regel eine in Deutschland ansässige Holding, die operativen Gesellschaften befinden sich aber in China. “Für uns Prüfer macht das die Arbeit natürlich nicht einfacher”, sagte Edgar Ernst, der Chef der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR). Die Kommunikation sei zum Teil schwierig, bestimmte Dokumente gebe es nur auf chinesisch. Die Bilanzpolizei prüft die Geschäftsberichte von Unternehmen, kann aber auch Protokolle von Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen anfordern oder den Unternehmen eine Liste mit Fragen schicken.

redigiert von Hans Seidenstücker.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1231 oder 030-2888 5168

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