September 27, 2019 / 11:51 AM / 17 days ago

Rosskur soll Commerzbank aus der Krise helfen

Frankfurt (Reuters) - Commerzbank-Chef Martin Zielke setzt unter dem Druck der niedrigen Zinsen den Rotstift an und will die Gebühren für Bankkunden erhöhen.

Martin Zielke, CEO of Germany's Commerzbank addresses the media during the bank's annual news conference in Frankfurt, Germany, February 14, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

“Wir wollen unsere Bank wetterfest und zukunftssicher machen”, verteidigte der Commerzbank-Chef den erneuten Radikalumbau, dem 4300 Stellen und 200 der 1000 Filialen zum Opfer fallen. Dennoch machte er bei den Ertrags- und Renditezielen Abstriche. “Das löst keine Begeisterungsrufe aus”, sagte Bankenanalyst Philipp Häßler vom Handelshaus Pareto Securities in Frankfurt. “Das zeigt, dass sich die Commerzbank in einer sehr schwierigen Situation befindet.”

Nachdem die Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank im Frühjahr gescheitert waren, muss die Commerzbank allein einen Weg finden um zu bestehen. Denn der Wettbewerb - angetrieben durch neue Konkurrenten im Internet - bleibt hart, ein Ende der Niedrigzinspolitik der EZB ist nicht in Sicht. Und nun drohen durch die Konjunktureintrübung auch noch steigende Kreditausfälle. “Auf ein besseres Umfeld können wir nicht hoffen”, sagte Zielke. Daher sei der Abbau von 4300 Vollzeitjobs unvermeidlich. Das sind 14 Prozent der Stellen ohne die polnische Tochter mBank, die die Commerzbank verkaufen will, um Kapital für den Umbau freizuschaufeln.

Mit ihrer neuen Strategie “Commerzbank 5.0” stelle Deutschlands zweitgrößte Privatbank auch die Weichen, um bei Fusionen ein “aktiver Spieler” zu sein, sagte Zielke. “Es wird in Deutschland wahrscheinlich auch in Europa über kurz oder lang Konsolidierung geben.” Offen ließ der Commerzbank-Chef, ob er das Geldhaus dabei als möglichen Käufer sieht.

“KEIN ABSCHIED VOM KOSTENLOSEN GIROKONTO”

Die Kunden müssen sich künftig auf höhere Gebühren einstellen, machte Zielke deutlich, ohne sich zu den Details zu äußern. “Das ist aber nicht die Einstimmung auf den Abschied vom kostenlosen Girokonto”, betonte er. Zwar will die Commerzbank auch weiter expandieren, drosselt aber das Wachstumstempo. Bis 2023 will sie gegenüber Herbst 2016, als die letzte Strategie verkündet wurde, 2,5 Millionen Kunden gewinnen - nur 500.000 mehr als sie sich ursprünglich bis Ende 2020 vorgenommen hatte. Stattdessen wolle die Bank mehr Geschäft mit bestehenden Kunden machen. Zunächst will sie aber eine Million inaktive Kunden loswerden, die Kundenzahl sinkt auf 11,1 Millionen. “Darunter ist aber kein Kunde, den wir seit 2013 gewonnen haben, nur damit da kein Missverständnis entsteht”, betonte Zielke.

Mit Hilfe der Online-Tochter Comdirect, die die Commerzbank komplett übernimmt, will der Konzern noch stärker auf das Online- und Smartphone-Banking setzen. “Unser Anspruch ist, im mobilen Banking dauerhaft Innovationsführer zu werden”, sagte Zielke. Die Filialen blieben aber eine wichtige Säule. Auch für die Comdirect-Kunden werde sich kaum etwas ändern.

Im Firmenkundengeschäft, das bereits seit Jahren unter Druck ist, will die Commerzbank den Vertrieb ausbauen. “Wir werden unsere europäische IT-Infrastruktur deutlich vereinfachen und unser Produktangebot stärker standardisieren”, sagte Zielke. Vor allem wegen der Schwäche des Firmenkundengeschäfts verabschiedete sich die Bank von ihrem Ertragsziel für 2019 und rechnet nun nicht mehr mit steigenden bereinigten Erträgen.

ABSCHIED VON DER MBANK

Um sich den ohne die Comdirect-Übernahme 1,6 Milliarden Euro teuren Umbau leisten zu können, trennt sich die Commerzbank von ihrer polnischen Tochter mBank. In den vergangenen Jahren hat sie verlässlich rund 300 Millionen zum Konzerngewinn beigesteuert - das war 2018 mehr als ein Drittel des gesamten Nettogewinns von 865 Million Euro. “Wir haben uns sehr bewusst entschieden, uns von der mBank zu trennen, um mit voller Kraft und hohem Tempo unser Kerngeschäft auf die nächste Stufe zu bringen”, verteidigte Zielke den von Analysten kritisierten Schritt. Das Wertsteigerungspotenzial des Deutschland-Geschäfts sei höher als beim ohnehin schon hoch bewerteten Polen-Geschäft.

Doch trotz Gebührenerhöhungen, Stellenstreichungen, Filialschließungen und Einsparungen von 600 Millionen Euro bis 2023 wird die Commerzbank in den kommenden Jahren nur eine geringe Ertragskraft aufweisen. Für die nächsten drei Jahre stellte Engels eine Eigenkapitalrendite (ROTE) von zwei bis vier Prozent in Aussicht, ab 2023 soll sie bei mehr als vier Prozent liegen. “Wir versuchen, die Dinge realistisch zu sehen, und das gilt auch für unsere Renditeziele”, wandte sich Zielke gegen Kritiker, die das Ziel als wenig ambitioniert bezeichnet hatten.

HOFFNUNG AUF STEIGENDE ZINSEN AUFGEGEBEN

Große europäische Wettbewerber kommen bereits heute auf mehr als acht Prozent Rendite und auch die Deutsche Bank, die sich ebenfalls mitten im Umbau befindet und weltweit 18.000 Stellen streicht, hat sich für 2022 eine Rendite von acht Prozent vorgenommen. Wegen der niedrigen Zinsen fehlen dem größten deutschen Geldhaus jedoch eingeplante Einnahmen, das Renditeziel wackelt. “Für unsere Planungen haben wir keine steigenden Zinsen unterstellt”, betonte Engels. Trotzdem verspricht die Commerzbank, die seit Jahren unter sinkenden Einnahmen leidet, bis 2023 höhere Erträge.

Für 2019 erwartet die Commerzbank trotz des Konzernumbaus schwarze Zahlen. “Ich wüsste nicht, warum wir dieses Jahr keinen Gewinn nach Steuern machen würden”, sagte Engels. Die Umbaukosten würden erst im nächsten Jahr verbucht. Auch werde die Bank wie versprochen für 2019 eine Dividende auf dem Vorjahresniveau von 20 Cent je Aktie ausschütten.

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