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Unternehmensnachrichten

Privatkundenchef Mandel kehrt der Commerzbank den Rücken

A Commerzbank logo is pictured before the bank's annual news conference in Frankfurt, Germany, February 9, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

Frankfurt (Reuters) - Der Aderlass im Commerzbank-Management nimmt kein Ende.

Privatkundenvorstand Michael Mandel verlässt das Frankfurter Geldhaus Ende September, das derzeit nach einem neuen Chef und einer neuen Strategie sucht. Der 53-Jährige habe sich mit dem Aufsichtsrat einvernehmlich über eine Beendigung seines Vertrags geeinigt, teilte die Commerzbank am Donnerstag mit. Mandel gilt als Vertrauter von Bankchef Martin Zielke, der Anfang Juli zusammen mit dem früheren Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann unerwartet das Handtuch geworfen hatte. Zudem stand er in der Kritik, weil er stets am großen Filialnetz festgehalten hatte. Erst am Mittwoch wurde bekannt, dass die Chefin der Commerzbank-Tochter Comdirect, Frauke Hegemann, das Institut verlässt.

Die Verantwortung für das Privat- und Firmenkundengeschäft im Konzernvorstand übernimmt interimistisch Personalvorständin Sabine Schmittroth. Die 55-Jährige hat viele Jahre mit Mandel zusammengearbeitet und war von 2015 bis 2019 Bereichtsvorständin in der Privatkundensparte. Seit Anfang 2020 ist sie im Vorstand des Konzerns. Ob sie die Verantwortung für die privaten Kunden dauerhaft behält, dürfte der neue Bankchef entscheiden. Im Ressort von Konzernvorstand Marcus Chromik wird übergangsweise die Verantwortung für Compliance angesiedelt.

Mandel habe mit “viel Leidenschaft und großem persönlichen Einsatz für die Bank gekämpft”, sagte Noch-Vorstandschef Zielke. Der neue Ausichtsratsvorsitzende Hans-Jörg Vetter sagte, Mandel habe das Privatkundengeschäft der Commerzbank geprägt und er habe “maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung” des Segments. In der Öffentlichkeit wurde die Kritik an Mandel in den vergangenen Monaten jedoch immer lauter. Einige Investoren forderten hinter vorgehaltener Hand seinen Abgang.

BANK WILL IM FILIALGESCHÄFT ROTSTIFT ANSETZEN

Mandel war seit 2016 im Vorstand und hatte stets für den Erhalt eines großen Filialnetzes gekämpft. Wegen seiner Nähe zu Zielke galt er zeitweise als dessen Kronprinz. Im Rahmen ihrer neuen Strategie will die Commerzbank Insidern zufolge besonders im Geschäft mit Privatkunden den Rotstift ansetzen. Rund die Hälfte der 1000 Filialen sollen insgesamt geschlossen werden, konzernweit sollen 10.000 Stellen wegfallen, wie Insider zu Reuters sagten. Die Commerzbank will sich hierzu nicht äußern.

Aufsichtsratschef Vetter sucht derzeit extern nach einem Nachfolger für Zielke, der spätestens zum Jahresende ausscheiden will. Als geeignete interne Kandidaten gelten Branchenkennern zufolge Firmenkundenchef Roland Boekhout, der 2010 bis 2017 das erfolgreiche Deutschland-Geschäft der niederländischen Großbank ING führte und Anfang des Jahres zur Commerzbank kam. Zudem steht Finanzchefin Bettina Orlopp auf dem Zettel für den Chefposten.

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