July 6, 2020 / 10:38 AM / a month ago

Commerzbank-Aktionäre feiern Führungswechsel

Frankfurt, 06. Jul (Reuters) - Die Commerzbank-Aktionäre feiern den bevorstehenden Abgang von Vorstandschef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann. Die seit Monaten gebeutelten Aktien legten am Montag um gut acht Prozent auf 4,46 Euro zu und waren damit stärkster Gewinner im Nebenwerteindex MDax. Mit dem Rückzug von Zielke und Schmittmann scheine eine Übernahme des Instituts wieder auf der Tagesordnung, sagte ein Händler. Die Anleger scheinen der Meinung zu sein, dass “jeder neue CEO, wer auch immer das sein mag, keine schlechtere Arbeit als sein Vorgänger machen wird”, sagte Marktanalyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Die Ratingagentur Moody’s zeigte sich dagegen wegen des Führungsvakuums beunruhigt. Der Rücktritt von Zielke und Schmittmann werfe Fragen zur künftigen Strategie auf und sei negativ für die Bonität der Bank, erklärte Moody’s.

Nach einem heftigen Streit um die künftige Ausrichtung der Bank hatten sowohl Vorstandschef Martin Zielke als auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann am vergangenen Freitagabend ihren Rückzug angekündigt. “Ich möchte damit den Weg für einen Neuanfang freimachen”, erklärte Zielke. “Die Bank braucht eine tiefgreifende Transformation und dafür einen neuen CEO, der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt.”

Zielke hatte den Rückhalt großer Investoren verloren. Der Finanzinvestor Cerberus, mit gut fünf Prozent zweitgrößter Aktionär der Bank hinter dem Bund, hatte mit seiner öffentlichen Kritik an dem schleppenden Konzernumbau und den wenig ambitionierten Plänen anderen Großaktionären aus dem Herzen gesprochen. Schließlich hatte Zielke nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank im Herbst eine Strategie präsentiert, an der Anleger und Bankenaufseher kein gutes Haar ließen.

Seit Monaten arbeitete der 57-Jährige daher an einer Verschärfung des Sparkurses und wollte die Pläne spätestens mit den Halbjahreszahlen am 5. August präsentieren. Insidern zufolge steht mit dem Abbau von insgesamt 11.000 Stellen die Streichung von jedem vierten Arbeitsplatz im Raum. Auch könnten mit 400 Filialen doppelt so viele Geschäftsstellen geschlossen werden, wie geplant. Mit dem Führungsvakuum wackelt jedoch der Zeitplan.

Auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch dürften statt der Strategie nun Personalfragen im Mittelpunkt stehen. Mit Spannung wird beobachtet, ob weitere Aufsichtsräte oder Manager ihren Hut nehmen und wer in das Kontrollgremium einzieht. Cerberus hatte auf zwei Mandate im Aufsichtsrat gedrängt, war damit aber bei Schmittmann auf Granit gebissen.

Als mögliche interne Kandidaten für die Zielke-Nachfolge werden der frühere ING-Deutschland-Chef und jetzige Commerzbank-Firmenkundenchef Roland Boekhout sowie Finanzchefin Bettina Orlopp gehandelt. Mehrere Insider sagte jedoch, die Commerzbank könne sich zwar kein langes Führungsvakuum leisten, dürfe die Entscheidung aber auch nicht überstürzen. So müsse sie sich auch nach externen Kandidaten umschauen. “Machen Sie sich ... keine Sorgen, es gibt hier einen geordneten Prozess”, versuchte Schmittmann in in einem im Intranet der Bank veröffentlichten Interview die Mitarbeiter zu beruhigen. Er selbst will bis zum 3. August an Bord bleiben, Zielke will spätestens Ende des Jahres ausscheiden. (Reporter: Hans Seidenstücker, Tom Sims, Hakan Ersen redigiert von Olaf Brenner Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168)

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