January 13, 2011 / 10:00 AM / in 9 years

Commerzbank wappnet sich für schärfere Kapitalregeln

Frankfurt (Reuters) - Die Commerzbank macht sich mit fit für die verschärften Kapitalvorschriften nach Basel III. Mit einer Kapitalerhöhung um zehn Prozent, die am Donnerstag für insgesamt 626 Millionen Euro bei Großinvestoren untergebracht wurde, bessert sie ihre Bilanz auf und wird rund ein Viertel ihrer Hybrid-Instrumente los. Diese Zwitter zwischen Eigen- und Fremdkapital, von denen die Bank mehr ausgegeben hat als andere Institute, werden künftig von den Aufsehern nicht mehr als Grundstock für das Kapital einer Bank anerkannt. Finanzkreisen zufolge bringt das Geschäft der Commerzbank einen Buchgewinn von mehr als 300 Millionen Euro.

Commerzbank-Logo an der Fassade eines Firmengebäudes in Frankfurt am 21. Juli 2010. REUTERS/Ralph Orlowski

Der von Vorstandschef Martin Blessing und vielen Investoren ersehnte Ausstieg des Bundes über eine größere, milliardenschwere Kapitalmaßnahme lässt dagegen noch mindestens bis zum April auf sich warten: “Die Commerzbank plant nicht, im ersten Quartal 2011 weiteres Kapital aufzunehmen oder eine weitere Kapitalerhöhung bekanntzugeben”, betonte ein Sprecher. Das “Damoklesschwert” der Kapitalerhöhung laste damit weiterhin auf dem Kurs, erklärte NordLB-Analyst Michael Seufert und stufte die Aktie auf “Verkaufen” herab.

BUND TAUSCHT STILLE EINLAGE IN MEHR AKTIEN

Der Bund will seine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie aber halten und wandelt dazu einen Teil seiner Stillen Einlage in neue Commerzbank-Aktien um. Geld fließt auch dabei nicht. Das Grundkapital der Commerzbank-Aktien wächst damit nach Berechnungen von DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr um insgesamt 12,5 Prozent.

Das Bundesfinanzministerium begleitet den Schritt mit Wohlwollen: Die Maßnahme erscheine “sinnvoll, nicht zuletzt im Hinblick auf die zu erwartenden Anforderungen von Basel III”, heißt es in einem Brief an Haushalts- und Finanzpolitiker des Bundestages, der Reuters vorliegt. Auch die Oppositionspolitiker Gerhard Schick und Alexander Bonde (Grüne) stellten sich hinter die Kapitalerhöhung. Die Stille Einlage von 16,4 Milliarden Euro, die durch den Tausch in Aktien etwas schrumpfen wird, sei aber anfällig für Missbrauch und daher von Anfang an das falsche Instrument gewesen.

Die Commerzbank nutzt die Tatsache aus, dass die betreffenden Hybridanleihen (Preferred Trust Securities) weit unter dem Nennwert notieren. Allein davon hat sie eine Milliarde Euro ausgegeben, insgesamt belaufen sich ihre Hybridpapiere auf vier Milliarden Euro. Die Credit Suisse will die PTS billig am Markt einsammeln und tauscht sie anschließend gegen 118 Millionen neue Commerzbank-Aktien ein. Die Differenz zwischen Rückkaufs- und Nennwert verbucht die Frankfurter Großbank als Gewinn. “Wir schätzen, dass das Hybridkapital dadurch um 820 bis 920 Millionen Euro abgebaut wird”, erklärte DZ-Bank-Analyst Dürr in einer Studie.

NEUE AKTIEN ZU JE 5,30 EURO VORAB PLATZIERT

Finanzkreisen zufolge steigt die “harte” Kernkapitalquote der Bank, auf die die Aufseher künftig blicken, mit dem Schritt um 0,36 Prozentpunkte. Der Großteil davon kommt freilich vom Staat, der die Bank insgesamt mit mehr als 18 Milliarden Euro gestützt hat. Von 2013 an zählen nur noch Stammaktien und Gewinnrücklagen als hartes Kernkapital.

Die Credit Suisse und drei andere Banken platzierten die neuen Aktien bereits am Donnerstag vorab bei institutionellen Investoren. Mit 5,30 Euro lag der Preis um sechs Prozent unter dem Schlusskurs vom Mittwoch. Im Xetra-Handel gab die Aktie um zwei Prozent auf 5,53 Euro nach.

- von Alexander Hübner -

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