August 1, 2018 / 11:15 AM / 17 days ago

Ernteprognose gesenkt - Klöckner will Viehhaltern helfen

Berlin (Reuters) - Der Deutsche Bauernverband (DBV) korrigiert angesichts der anhaltenden Dürre seine pessimistische Ernteprognose weiter nach unten.

FILE PHOTO: Wheat is seen in a field near Munich, Germany, July 30, 2018. REUTERS/Michael Dalder/File Photo

Gleichzeitig kündigte Bundesagrarministerin Julia Klöckner mit raschen Hilfen für Viehhalter erste Maßnahmen des Bundes für in Not geratene Landwirte an. Statt der zuletzt geschätzten 41 Millionen Tonnen Getreide sei nun mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen, teilte der DBV am Mittwoch mit. “Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung. Die aus unserer Sicht eindeutigen Zahlen lassen eine grundsätzliche Entscheidung über Dürrehilfen schon jetzt zu”, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied. Klöckner beharrte jedoch darauf, erst den Erntebericht Ende August abzuwarten, bevor über mögliche Kompensationen von Ernteausfällen entschieden wird. SPD-Chefin Andrea Nahles wandte sich dagegen, reflexartig Finanzhilfen für wetterbedingte Ausfälle zu gewähren.

“Letztes Jahr hatten wir lange Regenperioden, dieses Jahr extreme Trockenheit. Das können wir nicht jedes Mal mit kurzfristigen Finanzhilfen ausgleichen”, sagte Nahles dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (Donnerstagausgabe). Sie sei zwar bereit, angesichts der aktuellen Lage Sofort-Maßnahmen zur Unterstützung der Bauern zu prüfen. “Das darf aber nicht davon ablenken, dass wir uns auch in der Landwirtschaft strategisch an die Klimaveränderungen anpassen müssen”, sagte Nahles.

Bereits vor rund zwei Wochen hatte der DBV wegen der Trockenheit vor allem in Nord- und Ostdeutschland deutlich geringere Ernten als 2017 angekündigt. Bei der in Deutschland wichtigsten Getreideart Winterweizen mit einer Anbaufläche von knapp drei Millionen Hektar wird nun im Bundesdurchschnitt ein Ertrag von sechs Tonnen pro Hektar erwartet - ein Fünftel weniger als im Vorjahr und ein Viertel weniger als im Mittel der vergangenen fünf Jahre.

Beim Winterroggen wird ein Minus von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Bei der wichtigsten Ölpflanze, dem Raps, wird die Ernte nach DBV-Angaben 21 Prozent unter der von 2017 liegen. Im Vergleich zum Fünf-Jahres-Mittel wird dieses Jahr sogar 32 Prozent weniger Raps geerntet.

Deutschland ist nach Frankreich der größte Getreideproduzent in der Europäischen Union. Zudem zählt es zu Europas größten Weizenexporteuren. Händler rechnen aufgrund der Dürre damit, dass Deutschland im kommenden Jahr auf Weizen-Importe angewiesen sein könnte.

KLÖCKNER FORDERT BUNDESLÄNDER ZU HILFEN AUF

Klöckner sagte nach der Unterrichtung des Kabinetts über die Lage in den Dürregebieten, sie habe die Länder aufgefordert mitzuteilen, wie den Haltern von Rindern und Schweinen kurzfristig geholfen werden könne. An diesen Landeshilfen werde sich der Bund beteiligen. “In vielen Regionen haben wir massive Futterknappheit”, sagte die CDU-Politikerin. Deswegen sei es vereinzelt zu Notschlachtungen gekommen.

Über Hilfen für Bauern, die wegen der Trockenheit mit starken Einbußen bei der Ernte rechnen müssen, will Klöckner nach wie vor erst nach Vorliegen des Ernteberichts Ende August entscheiden. Der Bund könne aus rechtlichen Gründen nur ausnahmsweise finanzielle Hilfe leisten, sagte sie. Voraussetzung sei ein Ereignis von nationalem Ausmaß. “Dazu braucht man belastbare Schadensmeldungen”, sagte die Ministerin. Dies gelte auch für den Umfang möglicher Hilfen, sagte sie mit Blick auf die DBV-Forderung nach einer Milliarde Euro.

Klöckner betonte, das Thema Hilfen müsse differenziert angegangen werden. So rechneten etwa Winzer mit einer guten Ernte. Von der Dürre sei vor allem Nord- und Ostdeutschland betroffen. Es gebe aber auch Regionen, in denen eine gute Ernte erwartet werde. Dass die Hitze in Kombination mit der Trockenheit nicht in allen Teilen Deutschlands zu massiven Ausfällen führt, belegte auch der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie, der mit einer “sehr guten Streuobsternte” rechnet.

Die Ministerin widersprach dem Eindruck, es werde zu wenig für die von Dürre betroffenen Bauern getan. So gebe es für Landwirte etwa die Möglichkeit, günstige Darlehen zu beantragen. Zudem würden in den Bundesländern steuerliche Erleichterungen geprüft. Sie habe bereits veranlasst, dass Bauern ökologisch geschützte Flächen ausnahmsweise zur Fütterung ihres Viehs einsetzen könnten.

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