February 19, 2010 / 6:24 AM / in 9 years

Konjunkturmotor soll Daimler Starthilfe geben

Stuttgart (Reuters) - Nach einem Milliardenverlust im Krisenjahr 2009 Daimler hofft auf Anschubhilfe durch den anspringenden Konjunkturmotor.

Dieter Zetsche, CEO of German car manufacturer Daimler AG, attends the annual news conference in Stuttgart February 18, 2010. REUTERS/Johannes Eisele

Mit weiter durchgedrückter Kostenbremse will der Autobauer im laufenden Jahr zumindest operativ wieder schwarze Zahlen schreiben, wie Konzernchef Dieter Zetsche am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Stuttgart in Aussicht stellte.

“Wir kommen mit einem hohen Drehmoment aus der Krise”, sagte Zetsche, dessen Vertrag um drei Jahre bis Ende 2013 verlängert wurde. Die Börse reagierte jedoch verschnupft, da der Stuttgarter Premiumhersteller erstmals seit 14 Jahren die Dividende streicht und den Investoren trotz vieler neuer Modelle auch für das laufende Jahr nur magere Erträge in Aussicht stellte. Die Daimler-Aktien fielen um 6,3 Prozent auf 30,96 Euro.

Nach einem Umsatzeinbruch um 20 Prozent auf 78,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr soll es 2010 wieder langsam aufwärtsgehen. Den Absatz von Pkw und Lkw will Daimler ebenso wie den Umsatz “leicht” steigern. Der Konzern setzt auf verstärkte Nachfrage nach Oberklasse-Autos vor allem in Schwellenländern wie China, die von der Krise weniger betroffen sind. Daimler müsse aber die Kosten, die 2009 um mehr als fünf Milliarden Euro gesenkt wurden, weiter im Griff behalten und noch effizienter werden, mahnte Zetsche.

2009 war für die Stuttgarter ein rabenschwarzes Jahr. Mit 2,6 (2008: plus 1,4) Milliarden Euro fiel der Fehlbetrag deutlich höher aus als von Analysten erwartet. Die Ausschüttung an die Aktionäre soll “ausnahmsweise” entfallen. Der Großteil der Beschäftigten soll hingegen nach den jüngsten Lohneinbußen einen kleinen Jahresbonus von je 500 Euro erhalten. Mit Abfindungsangeboten will Zetsche weitere Beschäftigten zum Ausscheiden bewegen, nachdem die Mitarbeiterzahl bereits 2009 um rund 16.000 auf 256.400 weltweit gesenkt wurde.

NOCH WEITER WEG ZU ALTER ERTRAGSSTÄRKE

Üppige Gewinne wird Daimler aber trotz des fortgesetzten Sparkurses in diesem Jahr noch nicht wieder abwerfen. Finanzchef Bodo Uebber stellte lediglich einen operativen Gewinn (Ebit) von mehr als 2,3 Milliarden Euro in Aussicht. So wenig hat der Stuttgarter Konzern seit 2001 nicht mehr verdient. Börsianer hatten knapp drei Milliarden Euro Betriebsgewinn im laufenden Jahr erwartet.

Während Erzrivale BMW im vergangenen Jahr trotz des branchenweiten Absatzeinbruchs schwarze Zahlen einfuhr, erwirtschaftete Daimler operativ ein Minus von 1,5 Milliarden Euro. “Perspektivisch” halte Daimler daran fest, mit der Pkw-Sparte eine operative Rendite von zehn Prozent zu erzielen, bekräftigte Vorstandschef Zetsche sein seit Jahren gehegtes Ziel, ohne sich allerdings auf einen Zeitpunkt festzulegen. 2010 dürfte Mercedes-Benz Pkw kaum über eine Marge von drei Prozent hinauskommen.

Branchenanalysten rätseln, wie der deutsche Industriegigant mit dem weltweit größten Nutzfahrzeuggeschäft wieder in die Erfolgsspur kommen will. “Man fragt sich, was 2010 werden soll”, sagte Nord-LB-Analyst Frank Schwope. “Der Ausblick ist nicht befriedigend.” Kollege Alexej Wunrau von der BHF-Bank betonte: “Die Streichung der Dividende ist eine große Überraschung.” Vor einem Jahr war die Dividende wegen der Krise bereits auf 0,60 (2,00) Euro je Aktie gekürzt worden.

Die Autobranche sieht Zetsche noch nicht übern Berg. Nach dem Auslaufen der Abwrackprämien drohten Rabattschlachten, bei Zulieferern könne es verstärkt zu Zahlungsschwierigkeiten kommen, warnte er. Daimler stützte seine Lieferanten im vergangenen Jahr bereits mit 85 Millionen Euro. Turbulenzen bei den Wechselkursen bereiten Finanzchef Uebber Sorgen. Auch die 15-prozentige Kapitalbeteiligung der Stuttgarter an dem Flugzeugbauer und Rüstungskonzern EADS könnte noch ein teures Nachspiel haben, da dem deutsch-französischen Unternehmen wegen Verzögerungen bei der Auslieferung des Truppentransporters A400M Milliardenverluste drohen. Diese müsste Daimler anteilig noch nachträglich verbuchen, was den Auto-Konzern noch tiefer in die roten Zahlen drücken dürfte.

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