September 21, 2012 / 3:48 PM / 8 years ago

Insider: Daimler will ohne Jobabbau über eine Mrd sparen

An employee of German car manufacturer Mercedes Benz works on a Mercedes B-class car at the Mercedes plant in Rastatt July 16, 2012. Daimler will invest another 600 million euros ($734.6 million) by the end of 2013 in its Rastatt plant in Germany, where it will add a third shift starting in October to meet demand for its line of compact Mercedes-Benz premium cars. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS)

Stuttgart (Reuters) - Daimler will Konzerninsidern zufolge in seiner Pkw-Sparte auch ohne Stellenabbau mehr als eine Milliarde Euro einsparen.

Personalmaßnahmen seien im vom Vorstand beschlossenen Maßnahmenpaket nicht enthalten und auch nicht vorgesehen, sagten am Freitag zwei mit der Situation vertraute Personen Reuters. Das “Fit for Leadership” titulierte Programm solle letztlich durch Produktivitätszuwächse, Kostensenkungen und höhere Umsätze “deutlich mehr” als eine Milliarde Euro einspielen. Daimler hatte am Donnerstag seine Gewinnprognose für die Pkw-Sparte für 2012 einkassiert und mit dem absehbaren Gewinnrückgang auf unter 5,2 Milliarden Euro seine Aktien auf Talfahrt geschickt.

Die Stuttgarter stehen unter Zugzwang, in der Pkw-Sparte - dem größten Umsatz- und Gewinnbringer - das seit langem versprochene Renditeziel abzuliefern. Von 2013 an soll die operative Marge von Mercedes-Benz Pkw mit Rückenwind durch steigende Verkaufszahlen dauerhaft um die zehn Prozent pendeln, 2011 waren es neun Prozent. Angesichts der schwachen Konjunktur und hausgemachter Kostennachteile in dem 126 Jahre alten Konzern zweifeln viele Analysten jedoch am Erreichen des Ziels.

Mit dem teilweise bereits vom Mercedes-Vorstand beschlossenen Maßnahmenbündel soll der Umsatz ausgeweitet, die Produktivität gesteigert und Doppelarbeit vermieden werden, verlautete aus Konzernkreisen. Bei den großen Kostenblöcken Materialeinkauf sowie Vertriebs- und Verwaltungsaufwand gebe ebenfalls Ansatzpunkte. Die “FTD” hatte berichtet, das Sparprogramm habe einen Umfang von rund einer Milliarde Euro.

ZETSCHE VOR VERTRAGSVERLÄNGERUNG UNTER DRUCK

Vor Ende Oktober will sich Daimler nicht zu den Details des angekündigten Maßnahmenpakets äußern. Für den seit 2006 an der Konzernspitze stehenden Dieter Zetsche tickt die Uhr: Denn Anfang kommenden Jahres steht die Verlängerung seines Doppelmandats als Daimler-Chef und Leiter von Mercedes-Benz Pkw auf der Tagesordnung. Scheibchenweise hat er die Erwartungen für die Ertragsperle Mercedes-Pkw zurückgeschraubt: Im Februar kündigte Zetsche einen Gewinn vor Steuern und Zinsen “auf Vorjahresniveau” in Höhe von 5,19 Milliarden Euro an, Ende Juli war nur noch von einem Gewinn “in der Größenordnung” des Vorjahres die Rede. Nun - acht Wochen später - haben der “signifikant” verschärfte Wettbewerb in China und das schwierigere Umfeld in Europa die Gewinnerwartungen von Mercedes vollends zur Makulatur gemacht, obwohl die Schwaben so viele Pkw wie nie verkaufen. Die Gewinneinbußen bei Pkw müssen die anderen Sparten ausbügeln, denn Zetsche will im Konzern 2012 - wie im Rekordjahr 2011 - operativ rund neun Milliarden Euro verdienen.

Das Dilemma von Daimler wurde im zweiten Quartal offenbar: Der Umsatz stieg um zehn Prozent, der Betriebsgewinn fiel um 13 Prozent. Mehr Investitionen, höhere Fahrzeugrabatte und gestiegene Personalkosten führten zu einer Margenerosion bei Pkw und Trucks, obwohl der schwache Euro Geld in die Kasse spülte. Die Oberklasse-Rivalen Audi und BMW fahren Mercedes seit Monaten im renditestarken China-Geschäft davon und glänzen mit zweistelligen Margen. Opel und Peugeot brockt die Absatzflaute in Europa dagegen Verluste ein.

Im Wettstreit mit den Konkurrenten aus Bayern um die Krone bei Premium-Pkw hat Daimler handfeste Nachteile: Die Stuttgarter erwirtschaften mehr Umsatz in Eigenregie und beschäftigen daher in Produktion und Vertrieb mehr Personal, die Leiharbeiterquote ist geringer. Zudem brauchen die Schwaben im Schnitt länger als die Rivalen, um ein Auto zu produzieren.

- von Hendrik Sackmann

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