July 23, 2020 / 5:28 AM / 19 days ago

Daimler sieht Hoffnungsschimmer nach Corona-Schock

Frankfurt (Reuters) - Daimler schöpft nach dem Milliardenverlust durch die Corona-Pandemie im zweiten Quartal Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität.

The Mercedes-Benz logo is seen before the company's annual news conference in Stuttgart, Germany, February 4, 2016. REUTERS/Michaela Rehle GLOBAL BUSINESS WEEK AHEAD

“Wir sehen jetzt erste Anzeichen einer Absatzerholung, insbesondere bei Mercedes-Benz Pkw”, sagte Vorstandschef Ola Källenius am Donnerstag. China, für Mercedes-Benz wie für alle deutschen Autobauer der wichtigste Markt, ist als Wachstumsmotor wieder angesprungen. Aber auch in Europa und den USA, wo Covid-19 einige Monate später als im Ausbruchsland China die Wirtschaft lahmlegte, habe sich die Nachfrage zuletzt nach einem “ungewöhnlichen Loch” leicht erholt. Daimlers neue Prognose, im Gesamtjahr vor Sondereffekten operativ schwarze Zahlen zu schreiben, stellt Källenius aber unter einen großen Vorbehalt: Es darf nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommen, die eine Konjunkturerholung abwürgen könnte.

Der Silberstreif am Horizont verschaffte der krisengeplagten Daimler-Aktie rund 6,5 Prozent Auftrieb an der Börse. Der Markt sei erleichtert, dass sich das Umfeld nicht verschlechtert habe, sagte Frank Schwope, Analyst von der Norddeutschen Landesbank. Die meisten Zahlen hatte der Dax-Konzern schon letzte Woche per Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht, weil die Lage von April bis Juni nicht so dramatisch war wie die Experten prognostiziert hatten. Daimlers Liquiditätslage sei erstaunlich gut, sagte Jürgen Pieper, Autoexperte der Privatbank Metzler. Analysten gehen davon aus, dass die Autoindustrie im zweiten Quartal am stärksten unter den Corona-Folgen gelitten hat und es langsam wieder aufwärts geht.

EIN DRITTEL SCHWUND IM QUARTAL

Von April bis Juni summierte sich der Konzernverlust von Daimler auf 1,9 Milliarden Euro. “Aufgrund der beispiellosen Covid-19-Pandemie mussten wir ein herausforderndes Quartal durchstehen”, erklärte Källenius. Der Umsatz brach gegenüber dem Vorjahresquartal um 29 Prozent auf 30,2 Milliarden Euro ein. Dabei schrumpften in Europa und Nordamerika die Erlöse um rund ein Drittel. In China dagegen konnte der Premiumautobauer den Umsatz um 15 Prozent steigern.

Die Pandemie zwang die Autobauer zu wochenlangen Produktionsunterbrechungen. Die Autohäuser blieben vorübergehend zu, die Käufer damit aus. Daimler schlug mit 541.800 Fahrzeugen rund ein Drittel weniger los als vor Jahresfrist. Die Nutzfahrzeuge verkauften sich dabei mit einem Rückgang um 55 Prozent noch schlechter als Pkw. Doch auch Lkw-Chef Martin Daum verwies auf eine Erholung im Juni und verbesserte Auftragseingänge. Daimler geht weiter von Absatz, Umsatz und Ergebnis unter Vorjahr aus. Das Betriebsergebnis taxierte Finanzvorstand Harald Wilhelm für 2020 auf einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag. Allerdings seien rund zwei Milliarden Euro an Sondereffekten, vor allem Rechtskosten im Dieselabgasskandal und für Restrukturierungen, zu erwarten.

ANALYST: “KÄLLENIUS SCHWIMMT SICH FREI”

Mit dem Stillstand der Fabriken und dem Ausfallen der aufwendigen Verkaufsveranstaltungen konnte der Autobauer die Kosten rasch senken und so den Schaden begrenzen. Doch wegen der Corona-Krise, die den ohnehin herrschenden Druck durch den Umbruch zu Elektroautos noch verstärkt, hat Källenius schon länger härtere Einsparungen angekündigt. Das bedeutet auch Personalabbau, der nach seinen Worten aber sozialverträglich und möglichst ohne Kündigungen vollzogen werden soll. Wieviele der weltweit knapp 300.000 Mitarbeiter gehen sollen, sagte der Daimler-Chef mit Verweis auf die noch laufenden Verhandlungen mit den Betriebsräten nicht. Zuletzt hieß es in Konzernkreisen, rund 20.000 Arbeitnehmer sollten ausscheiden. Das “Manager Magazin” berichtete, es wären bis zu 30.000 Stellen gefährdet.

Källenius kündigte an, er werde im Herbst eine neue Strategie vorstellen. Die Marke mit dem Stern wolle sich künftig noch stärker auf die lukrativen, luxuriösen Segmente in allen Produktkategorien vom Kompaktwagen bis zur Nobellimousine fokussieren. Ziel sei, höhere Preise durchzusetzen. Durch Kostensenkungen, die womöglich auch zu Werksschließungen führen, soll die Gewinnschwelle künftig schneller erreicht werden.

Analyst Pieper lobte die deutlicheren Akzente, die der vor gut einem Jahr angetretene neue Daimler-Chef setzt. “Ich war lange skeptisch über Daimler, sehe aber jetzt deutlich positive Zeichen”, sagte er. Källenius schwimme sich frei und trete aus dem Schatten seines Vorgängers Dieter Zetsche heraus. Anleger hatten auf der Hauptversammlung kritisiert, dieser sei für das Dieseldesaster und das späte Umsteuern auf Elektromobilität verantwortlich. “Das zu erwartende Riesen-Kostensenkungsprogramm lässt sich wohl umsetzen ohne große Brüche mit Betriebsrat und Gewerkschaft”, ergänzte Pieper.

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