September 4, 2019 / 8:06 AM / 3 months ago

Deutsche-Bank-Chef sieht Gefahr in weiterer Zinssenkung

CEO Christian Sewing delivers a speech during the annual shareholder meeting of Germany’s largest business bank, Deutsche Bank, in Frankfurt, Germany, May 23, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach TPX IMAGES OF THE DAY

Frankfurt (Reuters) - Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnt vor einer erneuten Lockerung der Geldpolitik.

“Gesamtwirtschaftlich wird eine weitere Zinssenkung auf dem aktuellen Niveau verpuffen”, sagte Sewing am Mittwoch beim Bankengipfel des “Handelsblatts” in Frankfurt. “Sie wird lediglich die Vermögenspreise weiter in die Höhe treiben und die Sparer weiter belasten.” Mittelständler würden nicht mehr investieren, nur weil Kredite noch einmal billiger würden.

Die Hoffnung der Europäischen Zentralbank (EZB), mit einer Zinssenkung die schwächelnde Konjunktur anzukurbeln, teilt Sewing nicht. “Die Zentralbanken haben kaum noch Mittel, um eine echte Wirtschaftskrise wirkungsvoll abzudämpfen”, sagte der Chef der größten deutschen Bank. “Langfristig ruinieren diese Niedrigzinsen das Finanzsystem.”

Banken in der Euro-Zone müssen für Einlagen bei der EZB Geld bezahlen, während Institute in den USA Guthabenzinsen erhalten. Dort wurden die Leitzinsen vor kurzem zwar gesenkt, sie liegen mit einer Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent aber deutlich über dem Euro-Zonen-Niveau von null Prozent. Europäische Banken hätten durch diesen Unterschied einen Wettbewerbsnachteil von rund 40 Milliarden Dollar, sagte Sewing. “Allein uns als Deutsche Bank kosten die negativen Einlagenzinsen einen dreistelligen Millionenbetrag in diesem Jahr. Auf vier Jahre hochgerechnet sind das mehr als zwei Milliarden Euro.” Dieses Geld fehle für dringend notwendige Investitionen in Technologie.

“NIE WAR EINE STABILE AUFSTELLUNG WICHTIGER ALS JETZT”

Bankmanager müssten ihre Häuser daher wetterfest machen, betonte Sewing. “Nie war eine stabile Aufstellung wichtiger als jetzt.” Beim Umbau seines eigenen Hauses, dem weltweit 18.000 Stellen zum Opfer fallen, sieht er sich auf einem guten Weg. Positionen aus dem Kassahandel mit Aktien seien inzwischen vollständig abgebaut und das Institut habe damit begonnen, die entsprechenden Systeme herunterzufahren. Der Zuschnitt der neuen Unternehmerbank, die künftig das Kernstück des Geldhauses darstellen soll, sei festgelegt. “Mit dieser neuen Strategie sehen wir uns für den konjunkturellen Abschwung gewappnet.”

Die EZB kommt 12. September zu ihrer nächsten Ratssitzung zusammen. Insidern zufolge neigen die Währungshüter wegen der gestiegenen Konjunktursorgen dazu, ein Maßnahmenbündel zur Lockerung der Geldpolitik zu beschließen. Eine Senkung des Einlagensatzes begleitet von Erleichterungen für Banken sowie eine erneute Änderung des Zinsausblicks seien wahrscheinlich Teil des Pakets, hatten fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Aktuell müssen Banken für Gelder, die sie bei der Notenbank parken, Strafzinsen von 0,4 Prozent zahlen.

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