July 31, 2012 / 6:03 AM / 7 years ago

Deutsche Bank setzt 2000 Leute vor die Tür

Josef Ackermann, outgoing CEO of Germany's largest business bank, Deutsche Bank AG arrives for the bank's annual shareholders meeting in Frankfurt May 31, 2012. REUTERS/Alex Domanski

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Bank stemmt sich mit einem milliardenschweren Sparprogramm gegen die Schuldenkrise und setzt 2000 Leute vor die Tür.

Davon entfallen 1500 auf das Investmentbanking, das im zweiten Quartal einen herben Gewinneinbruch erlitten hat, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Dienstag mitteilte. Die meisten Stellen fallen im Ausland weg, denn die hochbezahlten Investmentbanker sitzen vor allem in New York und London.

Die beiden neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen streichen damit radikaler Jobs als zuletzt erwartet. “Einfach gesagt: Unsere Kostenbasis ist zu hoch”, erklärte Jain in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Er will im Konzern insgesamt rund drei Milliarden Euro einsparen, allein von den Personalmaßnahmen erhoffen sie sich 350 Millionen Euro. Doch kurzfristig kostet das erst einmal Geld.

Das neue Führungsduo will dringend gegensteuern, denn eine Erholung der Geschäfte ist so schnell nicht in Sicht, die Erträge brechen weg. “Wachstum ist ein Muss”, sagte Jain. “Der Gegenwind darf keine Entschuldigung sein.” Die Deutsche Bank müsse effizienter werden. Das gilt vor allem für das Kapitalmarktgeschäft, wo seit mehreren Quartalen in Folge Flaute herrscht. Weder der Handel noch das Beratungsgeschäft bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen läuft rund. Die großen US-Rivalen, aber auch die Schweizer Großbanken haben deshalb schon längst den Rotstift angesetzt.

Ihre Aktionäre will die Deutsche Bank aber zunächst nicht zur Kasse bitten, wie die beiden Chefs klarmachten. Eine Kapitalerhöhung komme nur im Extremfall in Frage, wenn alle anderen Hebel nicht ausreichten. Bis Ende des ersten Quartals 2013 will der deutsche Branchenprimus ein Kapitalpolster (Core Tier 1-Quote) von etwa zehn Prozent der risikogewichteten Aktiva aufbauen, indem er seine Bilanzrisiken senkt, Altlasten abbaut und Gewinne einbehält. “Darüber hinaus setzt sich die Bank zum Ziel, die Kernkapitalquote im Laufe des Jahres 2013 und darüber hinaus weiter zu stärken.”

Vor allem das Kapitalthema hatte die Investoren zuletzt umgetrieben. Entsprechend erleichtert reagierten sie nun: Die Deutsche-Bank-Aktie legte um 3,4 Prozent zu.

LANGER WEG ZUR WELTSPITZE

Mit den Zahlen zum zweiten Quartal hatte die Bank zuvor auf breiter Front enttäuscht. Der Vorsteuergewinn lag nur noch bei 960 Millionen Euro - knapp halb so viel wie im Vorjahr und ein Bruchteil dessen, was etwa der große US-Konkurrent JP Morgan schaffte. Dazu trug auch die wenig rentable Vermögensverwaltung bei. Die Sparte wird derzeit radikal umgebaut, die Mittelabflüsse der institutionellen Kunden lasten auf dem Geschäft.

Angesichts dieser Probleme wird der Weg in die Weltspitze, den sich das neue Führungsduo vorgenommen hat, alles andere als ein Spaziergang. Jain und Fitschen sind seit Juni am Start. Nach ihrer Einschätzung wird es in einigen Jahren nur noch eine Handvoll wirklich gewichtiger globaler Banken geben - und die Deutsche Bank soll dazugehören.

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