October 29, 2014 / 6:03 PM / 4 years ago

Skandale ziehen Deutsche Bank in die roten Zahlen

- von Kathrin Jones und Alexander Hübner

A logo of Deutsche Bank AG is seen in Tokyo July 16, 2014. A former Deutsche Bank salesman in Tokyo was handed a suspended prison sentence on Wednesday for bribing a pension fund official in a case that has put a spotlight on the compliance practices of the Japanese arm of Germany's largest bank. REUTERS/Toru Hanai (JAPAN - Tags: BUSINESS LOGO CRIME LAW)

Frankfurt (Reuters) - Die Serie kostspieliger Skandale und Affären radiert bei der Deutschen Bank die Gewinne aus.

Deutschlands größtes Finanzinstitut rutschte im dritten Quartal in die roten Zahlen und schrieb einen Nettoverlust von 92 Millionen Euro. Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen mussten erneut viel Geld für drohende Strafen zur Seite legen. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten summieren sich inzwischen auf rund drei Milliarden Euro und überschatten das Tagesgeschäft. Auch das wichtige Investmentbanking lief nicht ganz so rund wie bei den US-Rivalen. Dass die Sonderlasten in naher Zukunft weniger werden, sei nicht zu erwarten, warnte das Führungsduo der Bank die Anleger am Mittwoch. “Wir bleiben fest entschlossen, diese Agenda abzuarbeiten.”

Dabei helfen soll ein breit angelegter Vorstandsumbau: Vom Erzrivalen Goldman Sachs holt sich die Bank Marcus Schenck als neuen Finanzchef, der im Frühjahr das Ruder übernehmen soll. Der bisherige Zahlenmeister Stefan Krause, der das Ressort seit 2008 führt, soll sich künftig zusammen mit den Vorstandschefs um strategische Fragen kümmern. Er distanzierte sich am Mittwoch schon augenzwinkernd von seiner bisherigen Aufgabe: Nun gehe es “um das trockene Zeug”, führte er seine Ausführungen zur Quartalsbilanz vor den Analysten ein. Außerdem wird ein neues Vorstandsressort für Recht installiert, das der Leiter der internen Revision, Christian Sewing, bekommt. Aufsichtsratschef Paul Achleitner erhofft sich von der Rochade neuen Schwung für den ausgerufenen “Kulturwandel”.

Am Markt konnte das die Stimmung nicht retten. Die Deutsche-Bank-Aktie verlor im Tagesverlauf fast drei Prozent und zählte damit zu den Schlusslichtern im Dax. Dabei vervielfachte sich der Gewinn vor Steuern auf 266 (Vorjahr: 18) Millionen Euro. Doch Investoren reicht das nicht. “Selbst wenn man die Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten heraus rechnet, sind die Gewinne mager”, kritisierte einer der zehn größten Aktionäre der Bank im Gespräch mit Reuters. “Die Kosten müssen weiter runter.”

TEURE AUFRÄUMARBEITEN

Schon vor einem Jahr hatten die juristischen Altlasten die Bilanz der Sommermonate verhagelt. Damals blieben unter dem Strich noch 51 Millionen Euro übrig. Nun beschleunigen Jain und Fitschen die Aufräumarbeiten: Die Bank legte im Quartal weitere 894 Millionen Euro für Bußgelder zurück. Finanzkreisen zufolge wird auf Hochtouren an einem Vergleich mit den angelsächsischen Regulierern im Skandal um die Manipulation von Libor-Referenzzinsen gearbeitet.

Die Libor-Affäre könnte die Deutsche Bank noch einmal fast eine Milliarde Euro kosten, nachdem die EU schon vor einem Jahr ein Bußgeld von 725 Millionen Euro verhängt hatte. Am Mittwoch kam auch noch ein Vergleich mit vier entlassenen Zinshändlern in Frankfurt hinzu, der nach Angaben von Insidern ebenfalls sehr teuer geworden ist.. Die Bank gab allerdings keine Einzelheiten der Einigung bekannt. Außerdem will das Institut weitere Hypothekenklagen vom Tisch räumen und einen Streit mit den US-Behörden über mutmaßliche Sanktionsverstöße beilegen. Letzteres dürfte sich Insidern zufolge bis ins nächste Jahr hinein ziehen, hier ist eher die Commerzbank auf der Zielgeraden. Die Hypothekenklagen trieben im Quartal neben Libor die Rückstellungen maßgeblich in die Höhe.

BEIM DEVISENSKANDAL IN DER ZWEITEN REIHE

Auch in den weltweiten Devisenskandal ist die Deutsche Bank verwickelt. Hier sieht sie sich aber nicht in vorderster Front. Das sei auch der Grund, weshalb die Frankfurter nicht Teil eines von den britischen Regulierern angestrebten Vergleichs mit sechs Großbanken seien, betonte Krause. Analysten atmeten auf. Kilian Maier von MainFirst sprach vom “besten Signal seit langem”. Schließlich sei die Deutsche Bank einer der führenden Devisenhändler. Die britische Bankenaufsicht FCA verhandelt derzeit unter anderem mit der Schweizer Großbank UBS. Diese hatte sich im dritten Quartal ebenfalls wetterfest gemacht und ihre milliardenschweren Rückstellungen aufgestockt. Dennoch konnte die UBS den Gewinn steigern, weil die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden boomte.

Bei der Deutschen Bank gab es im Kapitalmarktgeschäft, in dem der langjährige Investmentbanker Jain an die Weltspitze will, für manche Experten eine Enttäuschung. Die Erwartungen gerade im Anleihehandel, wo die Frankfurter traditionell stark sind, waren nach den Zwischenbilanzen der US-Banken groß gewesen. Sie hatten unisono von einer Marktbelebung im September berichtet. Doch bei der Deutschen Bank zogen die Erträge im Handel mit Anleihen und anderen Produkten insgesamt nur um 15 Prozent an. “Andere Banken haben Marktchancen in diesem Quartal offenbar besser genutzt”, schlussfolgerte Analyst Guido Hoymann von Metzler Securities. Vor allem Goldman Sachs hatte die Konkurrenz abgehängt. Bei der Deutschen Bank brummte insbesondere der Devisenhandel, dagegen schwächelte der Handel mit Staatsanleihen. Insgesamt lieferten die Investmentbanker vor Steuern 374 Millionen Euro Gewinn ab. Dass es nur zu einem Plus von vier Prozent reichte, lag maßgeblich an den Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, die in der Sparte verbucht wurden.

Im Privatkundengeschäft rund um die Postbank stieg der Vorsteuergewinn um drei Prozent auf 356 Millionen Euro. In der Vermögensverwaltung, seit zwei Jahren die größte Baustelle im Konzern, verdiente die Bank mit 288 Millionen Euro leicht mehr. Die Sparte sammelte 17 Milliarden Euro neue Kundengelder ein. Es war das dritte Quartal in Folge mit Zuflüssen. Die Bank, die im Geschäft mit Superreichen angreifen will, verwaltet jetzt wieder ein Vermögen von rund einer Billion Euro.

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