March 28, 2018 / 2:03 PM / a month ago

Deutsche-Bank-Chef Cryan will an Bord bleiben

Frankfurt (Reuters) - Nach Berichten über seine bevorstehende Ablösung tritt Deutsche-Bank-Chef John Cryan Spekulationen entgegen, er könnte von sich aus den Hut nehmen.

FILE PHOTO: The headquarters of Germany's Deutsche Bank are photographed early evening in Frankfurt, Germany, January 31, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

“Ich möchte Ihnen versichern, dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weiter gehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben”, schrieb Cryan am Mittwoch an die Mitarbeiter von Deutschlands größtem Geldhaus. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat Finanzkreisen zufolge nach einer Serie schlechter Nachrichten begonnen, einen Nachfolger für den 57 Jahre alten Briten zu suchen.

Cryan widersprach Berichten, dass es zwischen ihm und dem Aufsichtsrat Unstimmigkeiten über die Strategie gebe. “Wir müssen uns weiter darauf konzentrieren, unsere mit dem Aufsichtsrat abgestimmte Strategie umzusetzen. Hier gibt es keinen Dissens.” Cryan, der 2015 als Nachfolger von Anshu Jain angetreten war, um die Deutsche Bank aus der Krise zu holen, hat in den vergangenen Monaten auf seinem Sanierungskurs mehrere Rückschläge hinnehmen müssen. 2017 meldete die Deutsche Bank vor allem wegen der US-Steuerreform das dritte Verlustjahr in Folge. Doch auch das operative Geschäft im Anleihehandel und im Investmentbanking läuft nach wie vor alles andere als rund.

Cryan verteidigte seinen Kurs. Die Bank komme voran. “Wir müssen die ausgezeichneten Fortschritte, die wir in so vielen Bereichen machen, besser zum Vorschein bringen”, schrieb er den Mitarbeitern. Als Beispiel führte er den Börsengang der Vermögensverwaltungstochter DWS in der vergangenen Woche an. “Wir liegen gut auf Kurs und dürfen uns nicht aus der Bahn werfen lassen.” Nach den Korrekturen werde die Bank wieder mehr Zeit und Ressourcen nutzen können, um Neugeschäft aufzubauen und das bestehende Geschäft effizienter zu machen. Künftig werde der Fokus der Bank wieder mehr auf Wachstum liegen und darauf, attraktive Renditen für die Aktionäre zu erzielen. “Es gibt keinen besseren Weg, um ungewollte Schlagzeilen zu vermeiden. Und ich werde all meine Kraft dafür einsetzen, dass wir das erreichen.”

PROJECT COLOMBO

Zur Suche nach mehr Effizienz gehört offenbar auch die Überprüfung des kriselnden Investmentbankings. Wie Reuters am Mittwoch von einer mit den Plänen vertrauten Person erfuhr, sollen an Ende dieses umfassenden Checks Empfehlungen an den Vorstand stehen, die theoretisch auch weitere Stellenstreichungen und den Rückzug aus oder die Stärkung von speziellen Aktivitäten beinhalten könnten. Überprüft wird nach Angaben des Insiders bei dem sogenannten “Project Colombo” vor allem der Handel mit Anleihen, Aktien, Devisen und Rohstoffen - insbesondere in den USA, aber nicht ausschließlich dort. Die Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die Sparte Investmentbanking der Deutschen Bank war in den vergangenen Jahren nach der Finanzkrise kräftig gestutzt worden, unter anderem weil die Kosten zu hoch waren und sich die Bank aus einer Reihe von Geschäften verabschiedet hat. Der Bereich steht zwar immer noch für einen Großteil der Erträge, kostet wegen der hohen Boni für die Investmentbanker allerdings auch viel Geld. Zuletzt hatte Finanzchef James von Moltke davor gewarnt, dass der starke Euro die Gewinne der Investmentbank im ersten Quartal deutlich belastet hat.

Wie lange die Prüfung dauern soll und wie die am Dienstag bekannt gewordene Suche nach einem neuen Chef für die Bank das Projekt beeinflusst, ist unklar. Marcus Schenck, der zusammen mit Garth Ritchie die Investmentbank der Deutschen Bank leitet, gilt als ein möglicher Kandidat für die Nachfolge von Cryan.

Das Investmentbanking steht im Zentrum der Debatte um die Ausrichtung der gesamten Bank. Ex-Goldman-Sachs-Partner Achleitner und einflussreiche Aktionäre wie das Emirat Katar wollen die Sparte eher gestärkt sehen. Andere Stimmen in der Bank kritisieren die hohen Boni für die dort tätigen Händler und Investmentexperten, bei gleichzeitig sinkenden Erträgen und Marktanteilsverlusten.

Alleine für das vergangene Jahr bekamen die etwa 17.000 Beschäftigten der Sparte einen Gutteil der insgesamt 2,3 Milliarden Euro, die die Bank insgesamt an variabler Vergütung an ihre rund 98.000 Mitarbeiter auszahlte. Das Geld gilt auch als eine Art Halteprämie, damit wichtige Händler und andere Spezialisten nicht zur Konkurrenz wechseln.

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