April 27, 2018 / 1:44 PM / 25 days ago

Deutsche Bank unter Druck - Investoren fordern Details zur Strategie

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Bank bleibt auch nach der Vorstellung ihrer neuen Strategie unter Druck.

FILE PHOTO: A statue is pictured next to the logo of Germany's Deutsche Bank in Frankfurt, Germany September 30, 2016. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo GLOBAL BUSINESS WEEK AHEAD

Investoren fordern schnell Details zum neuen Kurs, die Mitarbeiter sind verunsichert. Die Aktien fielen am Freitag in der Spitze um 4,8 Prozent und notierten mit 11,26 Euro auf dem tiefsten Stand seit mehr als drei Wochen. “Die Bank hat einfach keinen Kredit mehr bei Investoren und Analysten”, sagte ein Aktienhändler. “Keiner glaubt daran, dass der neue Chef Christian Sewing zaubern kann.”

Sewing will das lange schon unter Druck stehende Investmentbanking in den USA, aber auch zum Teil das in Asien, zugunsten Europas verkleinern. Der Abschied von den globalen Ambitionen kostet eine ganze Menge: In diesem Jahr steigen die Ausgaben für den Umbau um 300 Millionen Euro auf rund 800 Millionen. Sewing verspricht dennoch, dass die Bank nach drei Verlustjahren in Folge schwarze Zahlen schreiben wird.

Die Credit Suisse bezweifelt das und übt scharfe Kritik: “Die Deutsche Bank braucht zwar Zeit, um ihre Strategie auszuarbeiten, aber im Moment scheinen ihre kühnen Absichten nicht mit dem nötigen finanziellen Einsatz untermauert zu sein”, erklärten die Analysten der Schweizer Bank am Freitag. “Wir glauben, dass die Deutsche Bank 2018 erneut einen Verlust schreiben wird.” Sie senkten das Kursziel für die Aktie auf zwölf von 13 Euro.

MEHR FRAGEN ALS ANTWORTEN

Nach den “grottenschlechten” Ergebnissen im ersten Quartal blieb der Bank nach Ansicht von Analysten und Investoren keine andere Wahl als die Axt anzusetzen. Nun müsse sie aber schnell weitere Informationen liefern. Die Ankündigung vom Donnerstag sei nicht detailliert genug, um die Glaubwürdigkeit der neuen Strategie bewerten zu können, erklärte die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P), die die Bonitätsnote des Instituts Mitte April auf die Beobachtungsliste für eine Herabstufung gesetzt hatte. “Die Deutsche Bank muss jetzt schnell Klarheit schaffen, damit die Geschäfte nicht wegbrechen”, forderte ein Großaktionär des Geldhauses. “Mit welchen Kunden will sie künftig noch Geschäfte machen, welche Mitarbeiter werden noch gebraucht?”

Ein Banksprecher widersprach der Darstellung eines Konkurrenten, dass sich auch viele Investmentbanker in Europa bereits nach einem neuen Job bei Rivalen umschauen: “Wir sehen in den Kernbereichen der Bank keine erhöhte Fluktuation. Europa ist die Region, in der wir unsere Marktposition ausbauen wollen.”

In den USA hat der Stellenabbau schon begonnnen: 400 Mitarbeitern wurde bereits gekündigt, am Ende könnten dort mehr als 1000 Jobs wegfallen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Das wären immerhin rund zehn Prozent der 10.000 Arbeitsplätze der Deutschen Bank in den USA. Weltweit beschäftigt das Geldhaus rund 98.000 Mitarbeiter. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

US-BANKEN PROFITIEREN VOM SCHRUMPFKURS DER DEUTSCHEN BANK

Sewing will unter anderem den Anleihenhandel in den USA deutlich abspecken - völlig zurückziehen von der Wall Street soll sich die Bank aber nicht. Der Vorstand prüft aber auf globaler Ebene, wie stark das Haus noch im Aktienhandel mitmischen will. Im Zahlungsverkehr und im Devisenhandel will Sewing weiter ganz vorne mitspielen. Das Beratungs- und Finanzierungsgeschäft in Europa will er stärken, wo die Bank ohnehin schon zu den Marktführern gehört. In den Vereinigten Staaten und Asien wird das Geschäft in jenen Bereichen reduziert, die kaum grenzüberschreitend tätig sind.

Der Schrumpfkurs in den Vereinigten Staaten spielt den großen Wall-Street-Häusern in die Hände, mit denen die Deutsche Bank jahrzehntelang in einer Liga spielen wollte. “Das Preisniveau dürfte steigen und es ergeben sich Ertragschancen für die US-Banken”, schrieben die Analysten der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods (KBW). JP Morgan, Citigroup und Bank of America seien voraussichtlich die Hauptprofiteure.

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