October 30, 2019 / 10:24 AM / 13 days ago

Umbau brockt Deutscher Bank Milliardenverlust ein - Aktie sackt ab

- von Patricia Uhlig und Hans Seidenstuecker

A plane flies above the headquarters of Germany's Deutsche Bank in Frankfurt, Germany, July 8, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat beim Umbau seines Geldhauses noch einen langen Weg vor sich: Die Kosten für die größte Umstrukturierung in der Firmengeschichte rissen das Institut im vergangenen Quartal erneut tief in die Verlustzone.

Außerdem lief es im Kerngeschäft nicht rund. Anleger suchten am Mittwoch das Weite - die Aktien sackten um gut sieben Prozent ab und waren weitaus größter Verlierer im Dax. Ernüchterung herrschte auch, weil der Rivale Credit Suisse trotz der trüben Konjunkturaussichten und niedrigen Leitzinsen seinen Gewinn im selben Quartal auf 881 Millionen Franken verdoppelte. Die Schweizer ernten inzwischen die Früchte ihrer eigenen Neuaufstellung, die sie im Gegensatz zur Deutschen Bank schon abgeschlossen haben.

Das größte deutsche Geldhaus veranschlagt die Umbaukosten in den kommenden Jahren auf insgesamt 7,4 Milliarden Euro. Vor allem deswegen stand unter dem Strich - nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen - im dritten Quartal ein Verlust von 942 Millionen Euro. Sewing beschwor dennoch die knapp 90.000 Mitarbeiter und Anleger: “Wir werden unsere Ziele erreichen und sind zuversichtlich, dass wir die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Umbau und eine bessere Geschäftsentwicklung geschaffen haben.” Im Juli hatte er eine drastische Veränderung angekündigt: Aus dem verlustreichen Investmentbanking zieht sich die Deutsche Bank größtenteils zurück, weltweit fallen 18.000 Jobs weg, ein Fünftel der Bilanzrisiken wurden ausgelagert in eine Art interne “Bad Bank”.

In den Kernsparten Privat- und Firmenkunden sowie der Vermögensverwaltung erzielte das Institut zwar einen Gewinn vor Steuern von 353 Millionen Euro. Doch war dieser in allen Sparten geringer als im Vorjahr. “Man muss sehr genau hinschauen, um etwas Positives in den Zahlen zu finden”, sagte Chefanalyst Octavio Marenzi vom Brokerhaus Opimas. Anke Reingen von der Investmentbank RBC sieht die Bank zwar auf einem guten Weg bei ihrem Umbau. Die Ergebnisse zeigten aber, dass Kostenmanagement der wichtigste Treiber für das Ergebniswachstum sei.

EINBUSSEN IM ANLEIHEHANDEL

Konzernweit sanken die Erträge um 15 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Die Kosten stiegen dagegen um vier Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Ertragszuwächse erzielte die Bank nur in der Unternehmerbank, die das Firmenkundengeschäft sowie die Zahlungsverkehrsdienste beinhaltet. Mit Privatkunden und in der Vermögensverwaltungstochter DWS erwirtschafte sie weniger. Zu schaffen machten den Frankfurtern auch Rückgänge im Anleihehandel, dem einstigen Aushängeschild. Vor allem in Schwellenländern und Argentinien habe es Einbußen gegeben. “Unser Umbau hatte Auswirkungen auf unser Geschäft in der Investmentbank, aber wir haben die größte Unsicherheit hinter uns gelassen”, sagte Sewing. Dennoch sei im Gesamtjahr im Privatkundengeschäft und Investmentbanking mit leichten Ertragsrückgängen zu rechnen.

US-Konkurrenten wie JPMorgan und Goldman Sachs hatten im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren deutlich bessere Ergebnisse erzielt. Die Credit Suisse erwirtschaftete im Gegensatz zur Deutschen Bank Zuwächse in der Vermögensverwaltung und schnitt Analysten zufolge auch im Anleihen- und Aktienhandel besser ab als die Konkurrenz.

FORTSCHRITTE BEIM STELLENABBAU

Um dem Ertragsschwund entgegenzutreten, versucht die Deutsche Bank Negativzinsen an Kunden weiterzureichen, wie Finanzchef James von Moltke sagte. Solche Strafzinsen könnten rund ein Fünftel der Einlagen in der Privatkundensparte betreffen, bei Normalsparern in Deutschland sei die Möglichkeit jedoch wegen der Rechtslage nicht gegeben. Banken in der Euro-Zone müssen für überschüssige Gelder, die sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, Strafgebühren zahlen. Zahlreiche Institute denken inzwischen öffentlich darüber nach, wie sie diese Kosten an Kunden weitergeben können.

Trotz des Umbaus strebt die Deutsche Bank 2020 schwarze Zahlen an. “Wir erwarten für das kommende Jahr nach wie vor ein ausgeglichenes Ergebnis oder sogar etwas darüber”, kündigte von Moltke an. Über die bekannten Planungen hinausgehende Einschnitte schloss er kategorisch aus. Die Bank komme beim Verkauf ihrer nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Bestände sowie dem Stellenabbau voran. Im dritten Quartal strich die Bank 1500 Arbeitsplätze und beschäftigte weltweit erstmals seit der Postbank-Übernahme vor zehn Jahren weniger als 90.000 Menschen.

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