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Unternehmensnachrichten

Druck auf Banken zu Fusionen und Einsparungen steigt

FILE PHOTO: A statue is pictured next to the logo of Germany's Deutsche Bank in Frankfurt, Germany September 30, 2016. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

Frankfurt (Reuters) - Durch die Corona-Krise sind Fusionen und Einsparungen bei Geldhäusern nach Ansicht von Top-Bankern dringlicher denn je.

“Wenn wir als Banken zeigen wollen, dass wir in der Mitte dieser Gesellschaft stehen, dann ist jetzt die beste Zeit dafür”, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am Montag bei einer Branchenveranstaltung in Frankfurt. “Es geht nicht nur um die Welt mit Covid, sondern auch um die Welt nach Covid.” Der Co-Chef der genossenschaftlichen DZ Bank, Cornelius Riese, rechnet mit einer langen Durststrecke. “Es ist ein langer, kalter Winter, den die Branche vor sich hat.” Es werde mehr Insolvenzen geben, was sich in den Bankbilanzen niederschlagen werde.

“In der Corona-Krise erweist sich der Sektor zwar als robuster als noch vor zehn Jahren”, sagte Sewing. Die Banken seien aber schlicht nicht profitabel genug. “Als Sektor insgesamt müssen wir mittelfristig in Europa unser größtes Strukturproblem angehen: die Zersplitterung.” Mehr als 5000 Finanzinstitute in Europa seien zu viele. Von den 20 Top-Banken der Welt sitze keine mehr in der Europäischen Union.

Für die Deutsche Bank selbst kommen größere Fusionen aber erst einmal nicht in Frage, sagte Sewing, der im April den Job des obersten Lobbyisten der deutschen Privatbanken übernimmt. Das Institut müsse im kommenden Jahr seine eigenen Hausaufgaben machen und den Konzernumbau mit dem Abbau von weltweit 18.000 Jobs abschließen. “Wichtig für uns ist erst einmal die Profitabilisierung des Unternehmens zu schaffen. Wenn wir die geschafft haben, wird alles andere viel leichter werden.”

Der Deutschland-Chef der niederländischen Bank ING, Nick Jue, wollte sich nicht in die Karten schauen lassen bei möglichen Übernahmen. Auf die Frage nach einem Interesse an der Commerzbank sagte er: “Fragen Sie meinen Chef.” In der Vergangenheit wurde den Niederländern immer wieder Interesse nachgesagt an der Commerzbank.

SILBERKUGEL GIBT ES NICHT

Alleine durch Konsolidierung würden Banken die durch Corona auf sie zukommenden Probleme nicht meistern, machten Sewing und andere Bankvorstände deutlich. “Die Silberkugel, die alle Probleme löst, wird es aber nicht geben”, sagte Riese. Institute müssten ihre Geschäftsmodelle anpassen, Kosten sparen und die Digitalisierung vorantreiben. Der Druck auf die Branche steigt durch die Corona-Krise massiv an. Seit Jahren kämpfen Banken mit niedrigen Zinsen und schwindenden Erträgen, nun drohen steigende Kreditausfälle.

Nach dem Auslaufen der staatlichen Corona-Hilfen für die Unternehmen und der regulatorischen Erleichterungen für die Geldhäuser erwarten 58 Prozent der befragten Volks- und Raiffeisenbanken große Spätfolgen für die Geldhäuser, wie eine Reuters vorliegende Umfrage des Genossenschaftsverbands unter seinen Mitgliedsinstituten in 14 Bundesländern ergab. Weitere zwölf Prozent rechnen sogar mit sehr großen Spätfolgen.

EZB-Vize Luis de Guindos forderte noch mehr Sparmaßnahmen bei Banken zur Bewältigung der Krise und sieht dabei Fusionen als eine Möglichkeit. “Obgleich Banken die Anstrengungen zur Senkung ihrer Kosten im Zuge der Pandemie erhöht haben, müssen sie sich noch härter für größere Kosteneffizienz einsetzen”, erklärte er. “Konsolidierung durch Fusionen und Übernahmen ist ein weiterer potenzieller Weg, um Überkapazitäten in diesem Sektor abzubauen.” Zudem rief er die Länder und die EU dazu auf, einen Plan zu erarbeiten, um die Institute beim Abbau von faulen Krediten zu unterstützen.

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