December 1, 2011 / 4:25 PM / 8 years ago

Erster großer Streik bei Postbank - Angst vor Sparkurs

A street sign is pictured next to the logo of Deutsche Postbank outside the headquarters of Germany's largest retail bank in Bonn September 13, 2010. REUTERS/Wolfgang Rattay

Frankfurt (Reuters) - Der Streit um die Sparpläne der Deutschen Bank bei der Postbank verschärft sich.

Knapp 3600 Beschäftigte des Bonner Instituts traten am Donnerstag bundesweit in den Streik, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Es war der erste flächendeckende Ausstand bei der Postbank. An diesem Freitag sind neue Protestaktionen geplant. Ein Postbank-Sprecher sagte, die Auswirkungen hätten sich in Grenzen gehalten: “Wir haben keine stärkere Beeinträchtigung der Geschäfte festgestellt.” Die Filialen hätten geöffnet, die Bargeldversorgung der Kunden habe funktioniert. Bei der Bearbeitung von Überweisungen seien Verzögerungen nicht ausgeschlossen. Bei Anfragen im Callcenter wurden Kunden per automatischer Ansage auf längere Wartezeiten hingewiesen. Auch andere Geldhäuser, für die die Postbank den Zahlungsverkehr abwickelt, etwa die Unicredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB), machten nach eigenen Angaben zunächst keine Probleme aus.

Schon Anfang November hatte es vereinzelt Warnstreiks der insgesamt 23.000 Postbank-Beschäftigten gegeben. Verdi will in den kommenden Tagen noch mehr Mitarbeiter mobilisieren. Hintergrund sind die Pläne des neuen Mehrheitseigners Deutsche Bank, im Zuge der Postbank-Integration etliche Jobs in der Verwaltung und Informationstechnik in eigene Gesellschaften auszugliedern. Nach Aussagen aus Finanzkreisen soll dies mit Gehaltskürzungen, längeren Arbeitszeiten und weniger Urlaubstagen einhergehen. Die Mitarbeiter sind deshalb verunsichert. Verdi fordert einen Überleitungstarifvertrag, der die Beschäftigten absichert.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Beate Mensch sagte bei einer Kundgebung in Dortmund, bei der Postbank gehe es nicht um eine “normale Tarifauseinandersetzung zwischen Tarifpartnern”. “Es geht nicht um wirtschaftliche Not, sondern darum, ob sechs, acht oder zehn Milliarden Gewinn übrigbleiben, um den Aktionären zu gefallen.”

Die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern laufen seit Monaten, bislang allerdings ohne Durchbruch. Sie sollen Anfang kommender Woche trotz der Streiks fortgesetzt werden, wie beide Seiten betonten.

Die Deutsche Bank hat mit der Übernahme der Postbank ihr zweites Standbein, das Privatkundengeschäft, deutlich gestärkt. Sie will sich damit unabhängiger vom schwankungsanfälligen Investmentbanking machen. Der Branchenprimus hat schon häufiger Geschäfte in externe Gesellschaften ausgelagert, um Kosten zu senken. Im Zuge der Postbank-Übernahme erhofft sich der Konzern mittelfristig allgemeine Synergiepotenziale von jährlich einer Milliarde Euro. Zu den Einsparungen durch die nun geplanten Job-Ausgliederungen hat sich die Deutsche Bank noch nicht konkret geäußert.

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