November 19, 2013 / 3:33 PM / 5 years ago

Poker um Zukunft von Euronext - Deutsche Börse winkt ab

Frankfurt (Reuters) - Rätselraten um die Zukunft der Euronext: Alle paar Monate machen Spekulationen über einen Verkauf der europäischen Mehrländerbörse die Runde und lösen Unruhe in der Branche aus.

Bei der Deutschen Börse, die von Bankern und Lobbyisten im Ausland immer wieder als potenzieller Käufer der Euronext ins Spiel gebracht wird, reibt man sich über entsprechende Berichte jedoch verwundert die Augen. “Immer, wenn die Not in Paris besonders groß ist, kommt wieder jemand mit einer solchen Story um die Ecke”, sagte eine Person aus dem Umfeld von Deutschlands größtem Börsenbetreiber zu Reuters. Dabei habe der Frankfurter Konzern mehrfach deutlich gemacht, dass er nicht an der Euronext interessiert sei.

Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber betonte am Dienstag erneut, dass der Konzern derzeit kein Interesse an großen Übernahmen hat. “Das ist nicht irgendwo auf der Agenda.” Er widersprach damit einem Bericht des “Wall Street Journal”. Die Zeitung hatte berichtet, dass die Deutsche Börse - wie die Londoner Börse und die amerikanische Nasdaq - über eine Übernahme der Euronext nachdenke.

POLITISCHER GEGENWIND

Im Umfeld der Deutschen Börse haben viele den Verdacht, dass entsprechende Geschichten gezielt gestreut werden, um den Eindruck zu erwecken, es bestehe großes Interesse an der Euronext. “In Wahrheit dürfte ein Verkauf oder ein Börsengang der Euronext aber sehr schwierig werden”, sagte ein Brancheninsider. Der Aktien-Handel, in dem die Euronext schwerpunktmäßig aktiv ist, habe in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität verloren - unter anderen wegen des harten Wettbewerbs durch alternative Handelsplattformen. Eine Finanzsteuer auf bestimmte Aktien, die Frankreich im Sommer 2012 eingeführt hat, habe die Lage der Euronext nochmals verschlechtert.

Derzeit gehört die Euronext, die die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon betreibt, noch zur New York Stock Exchange (Nyse). Die Nyse wird allerdings für gut zehn Milliarden Dollar vom US-Konkurrenten ICE geschluckt und hat angekündigt, die Euronext Anfang 2014 abzuspalten. Angepeilt ist ein Börsengang der Mehrländerbörse, Finanzkreisen zufolge kann sich die ICE aber auch einen Verkauf vorstellen.

Die Deutsche Börse hat sich in der Vergangenheit mehrfach vergeblich um einen Kauf der Euronext bemüht. Reuters hatte jedoch bereits im Januar berichtet, dass die Frankfurter mittlerweile ihr Interesse an dem Konkurrenten verloren haben - auch, weil sie keine Lust auf Kompetenzstreitigkeiten mit Aufsichtsbehörden, Politikern und Arbeitnehmervertretern in Paris, Lissabon, Amsterdam und Brüssel haben.

AVANCEN VON NASDAQ UND LSE

Der französische Finanzminister Pierre Moscovici fordert, dass die Euronext in europäischer Hand bleiben und dafür sorgen soll, dass der Finanzplatz Paris nicht weiter an Bedeutung verliert. Mit dem Versuch, Societe Generale, Credit Agricole und ABN Amro als Ankeraktionäre der Euronext zu gewinnen, stieß die französische Regierung bei den Banken Finanzkreisen zufolge aber auf taube Ohren.

Die US-Technologiebörse Nasdaq hat Anfang des Jahres Interesse an der Euronext angemeldet. “Wir würden uns das ansehen”, sagte Konzernchef Robert Greifeld damals. Die Londoner LSE hat Finanzkreisen zufolge ebenfalls informell bei der ICE wegen einer möglichen Euronext-Übernahme angefragt. Am Dienstag wollte sich keines der Unternehmen zu dem Thema äußern.

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