January 25, 2012 / 8:03 AM / 7 years ago

EU-Kommission will Mega-Börsenfusion blockieren

Brüssel/Eschborn (Reuters) - Die Mega-Fusion der Deutschen Börse mit der New Yorker Nyse steht vor dem Aus.

Die EU-Kommission werde sich hinter Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia stellen und den neun Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss untersagen, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. 25 der 27 Kommissare hätten signalisiert, bei der Abstimmung am 1. Februar für eine Blockade der Fusion zum weltgrößten Börsenbetreiber zu stimmen.

Ein weiterer Kommissar habe bei der Präsentation von Almunias Vorschlag am vergangenen Freitag erklärt, er wolle das 459 Seite dicke Dokument zunächst ganz durchlesen, sagte der Insider weiter. Es sei jedoch zu erwarten, dass auch er sich der Entscheidung seiner Kollegen anschließen werde. Die bevorstehende Blockade sickerte am Dienstagabend durch, während die Deutsche Börse in ihrer Konzernzentrale in Eschborn bei Frankfurt ihren Neujahresempfang gab.

Börsen-Chef Reto Francioni wollte sich auf der Veranstaltung zunächst nicht zu der Meldung äußern. “Wir haben bisher noch keinen formellen Entscheid der EU-Kommission erhalten”, betonte ein Börsen-Sprecher. Auch Aufsichtsratschef Manfred Gentz setzt auf das Prinzip Hoffnung. “Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wir hoffen immer noch, dass sie positiv ausfällt.”

ANGRIFF AUS DEN SCHWELLENLÄNDERN

Den EU-Wettbewerbshütern ist besonders die Marktmacht des fusionierten Unternehmens im Handel mit Optionen und anderen Derivaten ein Dorn im Auge. Die Börsen-Tochter Eurex und die zur Nyse gehörende Londoner Liffe kämen im Derivate-Handel an europäischen Börsen zusammen auf einen Marktanteil von über 90 Prozent. Den außerbörslichen Handel (OTC), der einen Großteil des Marktes ausmacht, blendete die Behörde dagegen aus.

Diese - aus Sicht der Börsen falsche - Betrachtungsweise wollten die Konzerne in Gesprächen mit den übrigen Kommissaren thematisieren und so das Ruder in letzter Minute herumreißen. Auch bei der Politik wollen Börsen-Chef Reto Francioni und sein Kollege Duncan Niederauer beim Weltwirtschaftsforum in Davos Ende der Woche für den Zusammenschluss werben.

In seiner Rede beim Neujahresempfang bekräftigte Francioni, dass er eine Konsolidierung der Branche unabgängig von der Entscheidung der EU für unumgängliche hält. 2011 habe es diverse Partnerschaften und Fusionen von Konkurrenten in Japan, China, Russland, Brasilien und Indien gegeben. 2012 werde genauso weitergehen, “nur möglicherweise in einem noch mal größeren Tempo”, sagte der Schweizer. “Es ist nur eine Frage der kurzen Zeit, bis die führenden asiatischen und lateinamerikanischen Börsenorganisationen nicht nur eine regionale, sondern eine globale Ambition haben werden.”

BÖRSE ERWARTET GUTE GESCHÄFTE 2012

Mit dem derzeitigen Geschäftsverlauf zeigte sich Francioni zufrieden. 2011 habe das Unternehmen “ein gutes Jahr absolviert” und gezeigt, dass mit seinem Geschäftsmodell organisches Wachstum möglich sei, sagte Francioni. Deshalb blicken wir in das Jahr 2012 mit Optimismus - wohl wissend, dass die Weltwirtschaft fragil bleibt und die USA und Europa weiterhin Schritte zur Lösung der Schuldenproblematik unternehmen müssen.”

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