August 23, 2018 / 10:22 AM / 3 months ago

Verkehrsminister prescht bei Diesel-Nachrüstung vor

A market ready particulate filter retrofit system for passenger cars to avoid diesel emission is pictured in a garage of German exhaust aftertreatment technology group Baumot in Witten, Germany, March 7, 2018. Picture taken March 7, 2018. REUTERS/Thilo Schmuelgen

Harrislee (Reuters) - In der Debatte um die Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den Umbau städtischer Fahrzeuge fördern.

“Kommunale Fahrzeuge sind rund um die Uhr in den Städten unterwegs. Hier macht eine Hardware-Nachrüstung wirklich Sinn”, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in Harrislee bei Flensburg. Sie sei technisch ausgereift und in den meist größeren Müllwagen, Bussen und Fahrzeugen der Stadtreinigung sei für den Umbau genug Raum vorhanden. Sein Ministerium erarbeite derzeit eine Förderrichtlinie.

Bei den Kommunen sind rund 75.000 Fahrzeuge über 3,5 Tonnen angemeldet, davon kommen laut Scheuer mindestens 20.000 Wagen für eine technische Nachrüstung infrage. Von den geschätzten Kosten je zwischen 15.000 und 20.000 Euro sollten 40 bis 60 Prozent gefördert werden. Durch die Nachrüstung ließe sich der Stickstoffausstoß dieser Fahrzeuge um bis zu 85 Prozent verringern.

Scheuer bekräftigte, dass er die technische Nachrüstung von Diesel-Pkw weiter ablehnt. Dafür führte er technische, rechtliche und finanzielle Bedenken an. Ein technisch nachgerüstetes Auto verbrauche mehr Sprit. Mehr Treibstoffverbrauch bedeute einen größeren Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2). “Hardwarenachrüstungen sind damit schlecht für das Klima.” Sie bedeuteten zudem einen massiven Eingriff in die Technik, der Motor werde schwächer und die Leistung lasse nach, sagte Scheuer beim Besuch des Abgaslabors des Kraftfahrt-Bundesamtes in Harrislee.

Er räumte ein, dass es in der Bundesregierung in dieser Frage weiter keine abgestimmte Haltung gebe. Während der Verkehrsminister gegen Hardware-Nachrüstungen ist, hält Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sie für unumgänglich, um die Stickoxid-Grenzwerte einzuhalten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) war jüngst nach eigenen neuen Abgasmessungen zum gleichen Ergebnis gekommen. Die Autoindustrie lehnt die vergleichsweise teuren und aufwendigen Hardware-Nachrüstungen mit Katalysatoren indes ab und setzt ganz auf Software-Updates.

Scheuer hat den Autobauern eine Frist bis zum 1. September gegeben, um die Software-Entwicklung für die freiwilligen Updates abzuschließen. Dann soll das Kraftfahrt-Bundesamt alle Updates prüfen und freigeben. Einschließlich der manipulierten Diesel von Volkswagen sollen bis Jahresende 5,3 Millionen Fahrzeuge nachgebessert werden. Aktuell seien für 4,9 Millionen Wagen Updates entwickelt oder in der Vorbereitung. Scheuer pocht darauf, dass die Frist Anfang September eingehalten wird. Darauf werde er mit Argusaugen achten.

AUCH DAIMLER MUSS LIEFERN

Auch Daimler müsse die geforderten Software-Updates abarbeiten. “Ich hoffe, dass die Umrüstungen sehr schnell erfolgen”, sagte Scheuer. Der Bund hatte die Schwaben zu einem weiteren umfangreichen Rückruf verpflichtet. Wegen des Verdachts “unzulässiger Abschalteinrichtungen” sind europaweit 774.000 Mercedes-Fahrzeuge betroffen, davon 280.000 in Deutschland, die auf der Straße zuviel Stickoxid ausstoßen. Im Gegensatz zum Verkehrsminister hält der Stuttgarter Autobauer die verbaute Abgassteuerung für rechtskonform und will den Streitpunkt im Widerspruchsverfahren klären.

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