August 7, 2019 / 9:06 AM / 3 months ago

E.ON hält trotz Kundenschwund an britischem Geschäft fest

A hot air balloon with the logo of German energy giant E.ON flies at dawn in Ronda, southern Spain, July 21, 2016. REUTERS/Jon Nazca/File Photo GLOBAL BUSINESS WEEK AHEAD PACKAGE - SEARCH "BUSINESS WEEK AHEAD AUG 8" FOR ALL IMAGES?

- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Für den Energiekonzern E.ON wird vor der geplanten Übernahme der RWE-Tochter Innogy das britische Vertriebsgeschäft immer mehr zur Belastung.

“Wir haben im ersten Halbjahr in Großbritannien rund 400.000 Kunden verloren”, sagte Finanzchef Marc Spieker am Mittwoch bei der Präsentation der Ergebnisse des ersten Halbjahres. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) sei auf diesem von der Regierung zum Teil stark regulierten Markt um 65 Prozent auf 71 Millionen Euro eingebrochen. Damit trug die Sparte wesentlich dazu bei, dass der Konzern in den ersten sechs Monaten einen Gewinnrückgang von zwölf Prozent auf 1,7 Milliarden Euro verbuchte.

E.ON rechnet damit, bereits im September von der EU-Kommission die Freigabe für die Übernahme der Netz- und Vertriebsgeschäfte von Innogy zu erhalten. Spieker versicherte, dass die dabei angestrebten Synergien von 600 bis 800 Millionen Euro erreicht würden. Daran ändere sich auch nichts durch die mögliche Abgabe von Geschäften, die E.ON der EU-Kommission angeboten habe. Einige Analysten hatten Zweifel daran geäußert. Die Bestätigung des Synergiepotenzials sei wichtig gewesen, sagte nun etwa der Portfoliomanager von Union Investment, Thomas Deser. “Das Closing – mit großer Wahrscheinlichkeit noch vor Quartalsende - ist der eigentliche Treiber der Investmentstory von E.ON.” Die Aktie notierte dennoch zeitweise über ein Prozent im Minus.

BRITISCHE ENERGIEPOLITIK: “DAS GEGENTEIL VON VERLÄSSLICH”

Mit der Innogy-Übernahme vergrößern sich die Probleme in Großbritannien für E.ON aber noch. Denn Innogy schreibt dort mit seiner Tochter Npower sogar Verluste. Spieker machte deutlich, dass E.ON dauerhafte Verluste von Npower nicht hinnehmen werde, wollte sich aber zu Details nicht äußern. E.ON werde nach dem Closing des Innogy-Deals zeitnah bei Npower handeln.

Für das eigene Geschäft in Großbritannien übte sich der Manager in Optimismus. Die Kundenzahlen seien zuletzt stabilisiert worden, neue Ökostromangebote kämen bei den Verbrauchern an und auch im Gesamtjahr werde der Versorger auf der Insel schwarze Zahlen schreiben. Die Kosten müssten aber weiter gesenkt werden. Der Markt sei im Umbruch. Kleinere Anbieter verschwänden wieder vom Markt und auch der Regulierer schaue genauer hin, dass die Geschäftsmodelle auch stimmten. “Wir sind überzeugt, dass der britische Markt sich mittelfristig wieder erholen muss.” Ein Rückzug aus Großbritannien sei nicht geplant.

E.ON versorgt im Königreich rund sechs Millionen Kunden mit Strom und Gas. Die Regierung hat einen Preisdeckel eingeführt, der die Margen weiter gedrückt hat. “Großbritannien stand für viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, eigentlich für eine sehr verlässliche, rationale Energiepolitik. Da sehen wir in den letzten zwei Jahren das komplette Gegenteil”, sagte Spieker. Am Mittwoch verschärfte der Regulierer den Preisdeckel nochmal für die kommende Wintersaison. Großbritannien sei aber ein Spezialfall. “In allen anderen Märkten halten wir die Kundenzahl stabil oder wachsen.” So habe der Versorger in Deutschland im ersten Halbjahr 100.000 Kunden gewonnen.

Größter Gewinnbringer war für E.ON erneut das Netzgeschäft, das im Halbjahr ein Ebit von rund einer Milliarde Euro einfuhr - allerdings ein Rückgang um drei Prozent. Die Ökostromsparte konnte um 17 Prozent auf 275 Millionen Euro zulegen. Der Konzern bestätigte seine Prognosen und den Dividendenvorschlag für das laufende Geschäftsjahr. Demnach soll das bereinigte Ebit bei 2,9 bis 3,1 Milliarden Euro liegen.

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