May 31, 2010 / 9:16 AM / 10 years ago

Bundeswehr schränkt Flugbetrieb von EADS-Helikopter ein

Eurocopter's NH90 helicopter performs over the runway during a demonstration flight at Le Bourget airshow, north of Paris June 21, 2001

Berlin (Reuters) - Die Bundeswehr zieht die Konsequenz aus den technischen Problemen bei ihrem Transporthubschrauber NH90 und setzt das EADS-Produkt nur noch eingeschränkt ein.

Nach Triebwerksausfällen in Australien werde die Bundeswehr bestimmte Flugmanöver nicht mehr unternehmen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums Reuters am Montag. Für EADS ist die Entscheidung nach dem Ärger mit dem Militärtransporter A400M und dem Kampfhubschrauber Tiger ein weiterer Rückschlag. Die Bundeswehr braucht alle drei EADS-Maschinen dringend in Afghanistan, sie sind jedoch entgegen der Verträge längst nicht einsatzreif.

Aus Verärgerung über die Rüstungsindustrie sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bereits vor einigen Tagen seinen Besuch bei der internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Berlin ab, die am 08. Juni startet. Offiziell nannte sein Ministerium Terminprobleme als Grund. Guttenberg selbst hatte jedoch zuletzt sehr offen seinem Ärger über die Rüstungsbranche Luft gemacht und besonders verspätete Projekte von EADS angeprangert. Dabei nannte er konkret neben dem A400M auch den Tiger und den NH90, die beide von der EADS-Tochter Eurocopter hergestellt werden.

In Militärkreisen hieß es, Australien habe den Flugbetrieb mit dem NH90 nach mehreren Triebwerksausfällen eingestellt. Das Bundesverteidigungsministerium sprach indes nur von einem Vorfall, über den die Industrie informiert habe. Daraufhin seien Vorkehrungen zur Sicherstellung der Flugsicherheit bei den deutschen NH90 getroffen worden, sagte ein Sprecher. “Bis zum Ende der noch laufenden Untersuchungen werden die Triebwerke jeweils vor der Durchführung des Flugbetriebes einer Untersuchung unterzogen, darüber hinaus werden bestimmte Flugmanöver vermieden”.

Eine Eurocopter-Sprecherin erklärte, das Herstellerkonsortium NHI prüfe zusammen mit dem Triebwerkslieferanten Rolls-Royce die Probleme und arbeite mit Hochdruck an der Ursachenforschung. Sollten sich die Auslieferungen bei dem Programm verschieben, schlägt sich das in den Kassen des europäischen Rüstungskonzerns nieder. Der Preis von 30 Millionen Euro je Hubschrauber wird erst bei Lieferung bezahlt.

Erst vergangene Woche war bekanntgeworden, dass das Verteidigungsministerium wegen schwerer Mängel in der Verkabelung die Abnahme des drei Milliarden Euro teueren Tiger gestoppt hat. Über eine finale Einigung nach der Kostenexplosion beim A400M verhandeln die Staaten noch mit EADS. Die Beziehungen zwischen Deutschland und EADS sind daher gespannt.

Die Bundeswehr hat 122 Exemplare des Nato-Hubschraubers-90 für mehr als vier Milliarden Euro bestellt. Ebenso wie beim Tiger drängt das Ministerium EADS seit langem zur Eile, bisher aber ohne Erfolg. Der Rüstungskonzern wiederum wirft der Bundeswehr vor, die Abnahme der Hubschrauber zu verschleppen. Der NH90 soll bei der Bundeswehr die aus dem Vietnamkrieg legendären, aber inzwischen in die Jahre gekommenen Bell-Hubschrauber ersetzen. Momentan steckt das künftige Arbeitspferd der Truppe allerdings noch in der Erprobung und machte wiederholt durch Mängel von sich reden. Erst ab 2012 soll der NH90 bei der Truppe ankommen.

- von Sabine Siebold -

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