July 24, 2020 / 7:50 AM / 22 days ago

Konjunkturbarometer zeigen wieder Wachstum an - "Rezession ist vorerst beendet"

The moon is seen above the Quadriga of the Brandenburg Gate in Berlin, Germany, September 20, 2019. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin/Frankfurt (Reuters) - Nach dem Corona-Schock kehrt die Wirtschaft in Deutschland und auch im Euro-Raum mit viel Schwung in die Wachstumsspur zurück.

Dies signalisieren die vom Institut IHS Markit für Juli erhobenen Umfragedaten unter Einkaufsmanagern, die als bewährtes Barometer für die Konjunkturentwicklung gelten. Demnach überschritt die deutsche und auch die Wirtschaft der Euro-Zone die Wachstumsschwelle von 50 Zählern deutlich. Sie legt damit erstmals seit Februar wieder zu - und das so rasant, wie man es seit rund zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. Experten hatten nicht mit diesem Tempo gerechnet. “Die Rezession ist vorerst beendet”, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank am Freitag.

“Firmen aus der Euro-Zone berichten über einen ermutigenden Start ins dritte Quartal”, erklärte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Daten seien ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Wirtschaft nach dem beispiellosen Einbruch in der Corona-Krise kräftig erholen dürfte. Der Einkaufsmanagerindex signalisiert mit 54,8 Punkten im Juli deutliches Wachstum.

Die Hoffnung auf eine rasche Konjunkturbelebung in Europa trieb den Eurokurs auf den höchsten Stand seit Ende 2018. Die Gemeinschaftswährung legte zwischenzeitlich 0,2 Prozent zu auf 1,1621 Dollar und lag damit auf dem höchsten Niveau seit Herbst 2018. “Die Daten aus der Euro-Zone sind sehr gut und das zeigt, dass die Konjunkturpakete und Geldspritzen zur Erholung der Wirtschaft beitragen”, sagte Naeem Aslam, Chefanalyst beim Brokerhaus Avatrade.

Ökonom Jörg Angelé von der Bank Bantleon geht davon aus, dass sich die Konjunktur auch weiter positiv entwickeln wird: “Angesichts der zuletzt vorgenommenen Lockerungen dürfte es in den nächsten Monaten kaum Unternehmen geben, deren Geschäftstätigkeit sich gegenüber dem jeweiligen Vormonat nicht verbessert.” In Deutschland hat sich jüngst überdies das Konsumklima zusehends aufgehellt - was nicht zuletzt an der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer liegen dürfte. Auch die Aussicht auf die Auszahlung des Kinderbonus sowie spürbar gesunkene Preiserwartungen sorgten laut den Marktforschern der GfK dafür, dass die Konsumenten den Corona-Schock allmählich abschütteln.

SCHRECKGESPENST ZWEITE CORONA-WELLE

Die deutsche Privatwirtschaft als Ganzes scheint nun aus dem Gröbsten heraus zu sein: Das Markit-Barometer stieg im Juli auf 55,5 Punkte von 47,0 Zählern im Vormonat: Dabei erreichte die schon vor der Corona-Krise kränkelnde Industrie zumindest die Wachstumsschwelle von 50, während der Servicesektor mit 56,7 Zählern kräftig zulegte. Laut Markit-Experte Phil Smith zeigen die Umfragewerte, dass die Nachfrage mehr und mehr in Schwung kommt. “Überdies ist es gerade für eine so exportabhängige Wirtschaft wie der deutschen erfreulich, dass das Exportgeschäft in der Industrie wieder kräftig angezogen hat.”

Auch Ökonom Marco Wagner von der Commerzbank sieht es als “ein positives Signal”, dass die Einkaufsmanager-Barometer gestiegen sind. Er warnt jedoch vor Euphorie: “Denn es gibt einige Bremsfaktoren. So momentan etwa die Diskussion, ob es eine zweite Corona-Welle gibt.” Zudem hätten sich viele Unternehmen zu Hochzeiten der Corona-Krise mit Krediten vollgesogen: “Die müssen jetzt in den nächsten Monaten bedient und abgetragen werden. Das dämpft letzten Endes wieder etwas die Investitionstätigkeit.”

Die nun zügig in Gang gekommene Erholung der deutschen Wirtschaft folgt auf einen massiven Konjunktureinbruch im Zuge der Corona-Krise im Frühjahr. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal so stark eingebrochen ist wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Sie erwarten im Schnitt, dass es ein Minus von 9,0 Prozent zum Vorquartal geben wird. Die BIP-Daten werden am 30. Juli veröffentlicht.

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