October 31, 2014 / 9:27 AM / in 5 years

Umsatzeinbruch im Einzelhandel schürt Rezessionssorgen

A general view shows the atrium of the Mall of Berlin shopping centre during its opening night in Berlin, September 24, 2014. A gigantic German department store rebuilt in the heart of Berlin on the rubble of pre-war Europe's most famous shopping centre before being seized by the Nazis was opened on Thursday with a ceremony paying tribute to its original Jewish owners. The near 1-billion euro "Mall of Berlin" - an entire quarter with a glass covered arcade, 270 shops, a hotel and flats - was rebuilt on the spot where the famous Wertheim store was built in 1896 and flourished until Hitler's Nazis expropriated it in 1937.Picture taken September 24. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY)

Berlin (Reuters) - Der stärkste Umsatzeinbruch im Einzelhandel seit mehr als sieben Jahren schürt die Sorge vor einer Rezession in Deutschland.

Die Einnahmen schrumpften im September um 2,9 Prozent zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Preisbereinigt (real) fielen sie sogar um 3,2 Prozent - dreimal so stark wie erwartet. Zudem korrigierten die Statistiker das im August erreichte Wachstum von 2,5 auf 1,5 Prozent kräftig nach unten.

“Damit wird eine Rezession in Deutschland wahrscheinlicher”, sagte Ökonom Holger Sandte von der Nordea Bank. “Das Risiko hat zugenommen”, pflichtete Christian Schulz von der Berenberg Bank bei. Vor Bekanntgabe der Einzelhandelsdaten haben die meisten Experten für das dritte Quartal noch mit einem minimalen Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent gerechnet - getragen vor allem vom privaten Konsum. Schwächelt dieser wider Erwarten, könnte Europas größte Volkswirtschaft im Sommer bereits das zweite Quartal in Folge geschrumpft sein. Ökonomen sprechen dann von einer Rezession.

Eine erste Schätzung zum Abschneiden im dritten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 14. November. Mehr Klarheit könnte aber schon die kommende Woche bringen, wenn die Daten zu Industrieproduktion und Exporten bekanntgeben werden.

“KEIN REISSENDER ABSATZ”

Der Umsatzeinbruch kommt auch deshalb überraschend, weil die Rahmenbedingungen eigentlich gut sind: Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr, die Beschäftigung auf Rekordhoch, die Löhne steigen deutlich stärker als die Preise und erhöhen die Kaufkraft. “Die Einzelhandelsdaten schwanken oft sehr - in diesem Sommer besonders stark wegen der späten Lage der Ferien”, sagte Berenberg-Analyst Schulz. “Dazu kommt ein milder Herbstbeginn. Der hat vermutlich dazu geführt, dass die neuen Winterkollektionen in den Geschäften keinen reißenden Absatz gefunden haben.” So brach der Umsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren im Vergleich zum September 2013 um 5,7 Prozent ein.

Trotz des Rückschlags sehen die meisten Experten den privaten Konsum weiter als Stütze der Konjunktur. Zwar hatte sich das Konsumklima im September und Oktober jeweils leicht eingetrübt, da internationale Krisen wie die in der Ukraine die Verbraucher zunehmend verunsichern. Für November zeigt das von den GfK-Marktforschern ermittelte Barometer aber wieder nach oben. Von Januar bis September nahm der deutsche Einzelhandel 1,8 Prozent mehr ein als im Vorjahreszeitraum. Der Branchenverband HDE erwartet im Gesamtjahr ein Plus von rund 1,5 Prozent.

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