April 30, 2020 / 6:37 AM / a month ago

Händler mit größtem Minus seit 2007 - Verband für Corona-Schecks

A closed shop is pictured in the district of Friedrichshain, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues in Berlin, Germany, April 20, 2020. Picture taken April 20, 2020. REUTERS/Christian Mang

Berlin (Reuters) - Die deutschen Einzelhändler haben im März wegen der Corona-Krise so starke Einbußen erlitten wie seit über 13 Jahren nicht mehr.

Ihr Umsatz fiel preisbereinigt (real) um 5,6 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten sogar mit einem Minus von 7,5 Prozent gerechnet. Die Krise sorgt für eine tiefe Spaltung der Branche: Der von den Ladenschließungen stark betroffene Textilhandel verlor Umsätze wie noch nie, während Lebensmittel- und Online-Händler sowie Apotheken kräftige Zuwächse verzeichneten.

“Die Kunden sind nicht in Kauflaune”, fasste der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, die Bilanz zusammen. “Zu groß sind die Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt, viele haben Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und wissen nicht, wieviel Geld sie morgen noch zur Verfügung haben werden.” Die Bundesregierung müsse deshalb die Kaufkraft stärken. “Verbraucher und Unternehmen brauchen ein starkes positives Signal”, sagte Genth. “Deshalb fordern wir die Ausgabe von Coronaschecks in Höhe von 500 Euro an jeden Einwohner.”

“SCHRUMPFEN WENIGER ALS FRANKREICH”

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren wuchs im März gegen den Trend binnen Jahresfrist um 11,8 Prozent. Hier dürften auch Hamsterkäufe eine Rolle gespielt haben. Dabei zog der Umsatz bei den Supermärkten, Warenhäusern und Verbrauchermärkten um 13,2 Prozent an. Getoppt wurde das noch vom Internet- und Versandhandel, der ein Umsatzplus von 13,7 Prozent schaffte. Deutlich zeigt sich der Einfluss der Krise auch im hohen Umsatzplus der Apotheken sowie des Einzelhandels mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten: Sie zählten 8,3 Prozent mehr in den Kassen als im Vorjahresmonat. “Den größten seit 1994 gemessenen Umsatzeinbruch verzeichnete der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren”, ermittelte das Statistikamt. Hier haben sich die Einnahmen im Vorjahresvergleich mehr als halbiert.

Experten können den Daten auch etwas Gutes abgewinnen. “Angesichts der Wucht, mit der Corona auf die deutsche Volkswirtschaft traf, ist der Rückgang des Einzelhandelsumsatzes um ‘nur’ 5,6 Prozent sogar eine Erfolgsmeldung”, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Trotz Ausgangsbeschränkungen und Corona-Ängsten sei dieser für den privaten Konsum so wichtige Indikator im ersten Quartal nur um 0,4 Prozent geschrumpft. “Die ersten beiden Monate des Jahres 2020 waren so stark, dass sie ein Gegengewicht bilden konnten”, sagte Scheuerle. “Das unterstreicht, dass die Wirtschaft in Deutschland zumindest im ersten Quartal weniger schrumpfen wird als beispielsweise in Frankreich.” Dort brach das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um fast sechs Prozent ein. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für die Bundesrepublik nur mit einem Minus von zwei Prozent.

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