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Wirtschaftsnachrichten

Umsatz im Einzelhandel steigt - "Lockdown-Scharte ausgewetzt"

The skyline with its financial district is photographed during sunset as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues in Frankfurt, Germany, September 7, 2020, REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin (Reuters) - Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz im August auch dank boomender Online-Geschäfte überraschend deutlich gesteigert.

Sie nahmen 3,4 Prozent mehr ein als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Preisbereinigt (real) lag der Zuwachs bei 3,1 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hier nur mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet, nachdem es in den beiden Vormonaten jeweils einen Rückgang gegeben hatte. Zur Jahresmitte wurde die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt, wovon sich die Regierung eine Belebung des Konsums nach dem Corona-Lockdown erhofft.

Die steigende Ausgabenfreude der Verbraucher spricht für ein starkes Comeback der deutschen Wirtschaft nach der Rekordrezession im Frühjahr. “Diese Zahlen sind ein weiterer Beleg, dass der private Verbrauch im dritten Quartal wieder deutlich zulegen wird”, sagte Commerzbank-Ökonom Christop Weil. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dem Ifo-Institut zufolge von Juli bis September um 6,6 Prozent wachsen, nachdem es im Frühjahr wegen der Corona-Krise um 9,7 Prozent eingebrochen war.

Die Einzelhändler kommen bislang vergleichsweise gut durch die Pandemie: Von Januar bis August steigerten sie ihren Umsatz um 4,2 Prozent. “Damit hat der Handel die Scharte, die der Lockdown hinterlassen hatte, mehr als ausgewetzt”, sagte der Europa-Chefvolkswirt des Fondsanbieters DWS, Martin Moryson. Allerdings ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. “Die Schere zwischen den einzelnen Segmenten geht auch im August weit auseinander”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth. “Immer noch mitten in der Krise stecken der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren sowie beispielsweise die Kauf- und Warenhäuser.”

So brach das Geschäft mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren in den ersten acht Monaten um 25,2 Prozent ein, während der Internet- und Versandhandel auf ein Wachstum von 21,2 Prozent kam. “Mit dem Bekleidungshandel steht die Kernbranche unserer Innenstädte vor zahlreichen Insolvenzen”, sagte Genth. “Hier muss die Politik auf allen Ebenen dringend weiter gegensteuern, ansonsten erleben wir großflächig verödete Stadtzentren.”

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