July 31, 2020 / 7:04 AM / 15 days ago

Einzelhandel trotzt Corona-Krise - Aber Sorge vor Pleiten

50 and 20 Euro banknotes are displayed in this picture illustration taken November 14, 2017. REUTERS/Benoit Tessier/Illustration

Berlin (Reuters) - Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz im ersten Halbjahr trotz der Corona-Krise gesteigert.

Sie zählten von Januar bis Juni 3,2 Prozent mehr in ihren Kassen als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Allerdings ist das Gefälle innerhalb der einzelnen Branchen riesig. So brach das Geschäft mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren um 29,6 Prozent ein, während der Internet- und Versandhandel auf ein Wachstum von 19,8 Prozent kam.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) blickt deshalb pessimistisch nach vorn und warnt vor einer Pleitewelle. “Es gibt keinen Grund zur Entwarnung”, sagte sein Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. “Nach wie vor sind viele Händler in großer Insolvenz-Gefahr.” Diese könnte vor allem dann zur Realität werden, wenn eine zweite Welle von Corona-Infektionen zu einem erneuten Lockdown mit Geschäftsschließungen komme. Das hatte bereits im März und im April zu heftigen Umsatzeinbrüchen geführt.

“DRAMATISCHE FOLGEN”

HDE-Präsident Josef Sanktjohanser mahnte angesichts steigender Infektionszahlen zu mehr Disziplin bei der Einhaltung der Corona-Regeln. Die Pandemie werde die Handelsunternehmen im Bereich der Nicht-Lebensmittel etwa 40 Milliarden Euro an Umsatzeinbußen kosten. Das könne für 50.000 Handelsstandorte in Deutschland das Aus bedeuten. “Wenn schon die erste Welle der Pandemie solch dramatische Folgen im Handel hervorruft, möchte ich mir eine zweite nicht vorstellen”, warnte Sanktjohanser. “Für viele Händler gäbe es bei erneuten Einschränkungen oder gar einer zweiten Phase des Lockdowns keine Chance mehr, der Insolvenz zu entgehen.”

Die Kauflaune der deutschen Verbraucher hat sich zuletzt merklich aufgehellt. Dazu trug auch die seit 1. Juli und bis Jahresende geltende Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent bei. Viele Händler haben versprochen, die Senkung in vollem Umfang an die Kunden weiterzugeben, was den Konsum in der zweiten Jahreshälfte ankurbeln könnte. Bei den Einzelhändlern selbst stößt die Senkung auf wenig Gegenliebe: Nur 13 Prozent der Unternehmen aus dem Bereich Nicht-Lebensmittel bewerten diese Maßnahme im Hinblick auf eine Konsumbelebung positiv, ergab eine HDE-Umfrage. 18 Prozent sehen negative Folgen, etwa durch Umstellungskosten. Anbieter langlebiger Gebrauchsgüter wie Möbel, Technik und Uhren/Schmuck sehen das etwas positiver. Ihre Waren sind meist teurer, so dass die Mehrwertsteuersenkung hier einen größeren Kaufanreiz bieten könnte.

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