August 3, 2009 / 6:40 AM / 10 years ago

Einzelhandel mit schlechtestem erstem Halbjahr seit 2002

Shoppers stroll along Wilmersdorfer Strasse in west Berlin March 31, 2009. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY BUSINESS)

Berlin (Reuters) - Die Rezession erfasst zunehmend den deutschen Einzelhandel: Die Geschäfte liefen in den ersten sechs Monaten so schlecht wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Experten sagen Warenhäusern, Supermärkten und Fachhandel noch schwierigere Zeiten voraus, weil die Arbeitslosigkeit bis weit ins nächste Jahr hinein steigen und die Kauflaune der Deutschen dämpfen dürfte.

Der Einzelhandel hatte von Januar bis Juni 2,3 Prozent weniger in den Kassen als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. “Seit Einführung der gesamtdeutschen Statistik 1994 hat es nur einmal eine schlechtere Bilanz für das erste Halbjahr gegeben”, sagte ein Statistiker. 2002 waren die Umsätze um 2,9 Prozent weggebrochen, weil wegen der Euro-Bargeldeinführung viele Deutsche aus Angst vor explodierenden Preisen entweder Käufe vorzogen oder aufschoben.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hofft darauf, auch im Gesamtjahr mit einem Minus von zwei Prozent davonzukommen. “Angesichts der Wirtschaftskrise und verglichen mit anderen Branchen wäre das ein gutes Ergebnis”, sagte HDE-Sprecherin Ulrike Hörchens.

ANALYSTEN MACHEN DER BRANCHE WENIG HOFFNUNG

Experten sehen aber schwarz. “Mittelfristig dürfte der Einzelhandel noch stärker belastet werden, wenn Kurzarbeit in Stellenabbau umgewandelt wird”, sagte SEB-Analyst Klaus Schrüfer. Dann bleibe vielen Beschäftigten weniger Geld in den Taschen. Auch Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim rechnet ab Herbst mit steigender Arbeitslosigkeit, weil sich viele Firmen dann die teure Kurzarbeit nicht mehr leisten könnten.

Der weltweit viertgrößte Handelskonzern Metro stellt sich bereits auf schleppende Geschäfte auf seinem Heimatmarkt ein. “Wir werden durch die Krise verlieren”, sagte Konzernchef Eckhard Cordes. Wenn den Konsumenten weniger Geld zur Verfügung stehe, könne dies das wichtige Weihnachtsgeschäft treffen.

Im Juni nahmen die Einzelhändler 1,6 Prozent weniger ein als im Vormonat. Bereinigt um Preisschwankungen (real) fiel das Minus mit 1,8 Prozent noch etwas größer aus. Von Reuters befragte Experten hatten hier ein Wachstum von 0,5 Prozent erwartet, weil viele Arbeitnehmer dank stabiler Preise mehr Kaufkraft zur Verfügung hatten und die Zahl der Erwerbslosen wie schon im Vormonat zurückgegangen war. Im Vergleich zum Juni 2008 sank der reale Umsatz mit 1,6 Prozent ebenfalls unerwartet.

Die größten Umsatzeinbußen mussten im Juni Kauf- und Warenhäuser hinnehmen. Sie hatten 5,7 Prozent weniger in den Kassen als vor einem Jahr. Ähnlich schlecht lief es für Bäcker, Fleischer und andere Lebensmittel-Fachhändler. Sie meldeten ein Minus von 4,1 Prozent. Gegen den Trend legte der Umsatz mit Kosmetik, pharmazeutischen und medizinischen Produkten um 2,1 Prozent zu. Auch der Internet- und Versandhandel meldete einen Zuwachs von 1,8 Prozent.

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