January 17, 2018 / 10:46 AM / a month ago

Wind-Industrie will von Groko höhere Ausbauziele auf See

Berlin (Reuters) - Die Wind-Industrie verlangt angesichts deutlich gesunkener Subventionskosten von einer neuen Bundesregierung einen schnelleren Ausbau in Nord- und Ostsee.

“Wir schlagen vor, dass die Ziele angehoben werden, weil sie einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele liefern können”, sagte der Geschäftsführer der Arbeitgemeinschaft Offshore-Windenergie (AGOW), Uwe Knickrehm, am Mittwoch in Berlin. Die Ausschreibungen für neue Windparks auf hoher See hatten 2017 ergeben, dass die Betreiber teilweise ganz auf öffentliche Förderung verzichten. “Das markiert eine neue Lage”, sagte er mit Blick auf frühere Kritik, die Subventionen kämen die Verbraucher zu teuer. Er verwies zudem darauf, dass Union und SPD in ihrem Sondierungspapier das Ziel für den Ökostrom-Anteil am Verbrauch auf 65 Prozent bis 2030 hochgesetzt hätten.

Nach jahrelangen Verzögerungen ist der Ausbau in Nord- und Ostsee mittlerweile in Schwung: Im vergangenen Jahr wurden 222 neue Windräder in Betrieb genommen. Zusammen haben sie eine Leistung von 1250 Megawatt, was rechnerisch etwa einem Atomkraftwerk entspricht. Insgesamt drehen sich nun Windräder in Nord- und Ostsee mit einer Kapazität von 5300 Megawatt. Bis 2020 können laut bisherigen Regierungsvorgaben 7700 Megawatt ans Netz gehen.

BRANCHE: KEINE PROBLEME BEI NETZANBINDUNG AUF HOHER SEE

Bis 2030 sollen es nach bisherigen Regierungsvorgaben dann 15.000 Megawatt sein. AGOW-Geschäftsführer Knickrehm verlangte 20.000 Megawatt und 30.000 bis 2035. Wenn Union und SPD den Ausbau von Wind- und Solarenergie beschleunigen wollten, müsse sich dies auch auf die Offshore-Branche auswirken. Die oft diskutierten Probleme bei der Netz-Anbindung der Windräder an die sogenannten Konverter-Plattformen im Meer existierten nicht mehr, sagte Knickrehm. Es sei sogar so, dass es an den Plattformen im Jahr 2020 Überkapazitäten geben, die gefüllt werden müssten. Dies könne die Branche in den 20er Jahren auch leisten. “Es ist eine Industrie, die erwachsen geworden ist.”

Wegen der besseren Windverhältnisse vor den Küsten produzieren die Anlagen auf hoher See deutlich mehr und länger Strom als an Land. Die Türme sind um die 100 Meter hoch und stehen durchschnittlich in etwa 30 Meter tief im Wasser.

Die Offshore-Stromproduktion legte im vergangenen Jahr auch wegen ungewöhnlich kräftigen Windes im Vergleich zu 2016 um etwa 50 Prozent zu.

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