January 28, 2020 / 10:17 AM / in 2 months

Windenergie-Ausbau auf historischem Tief - Hoffen auf 2020

FILE PHOTO: General view of the Walney Extension offshore wind farm operated by Orsted off the coast of Blackpool, Britain September 5, 2018. REUTERS/Phil Noble/File Photo

Berlin (Reuters) - Nach einem Einbruch im vergangenen Jahr erwartet die Windbranche 2020 wieder etwas mehr neue Windräder an Land.

Es könnte etwa 1400 bis 1800 Megawatt Leistung installiert werden, sagte der Bundesverband Windenergie (BWE) am Dienstag in Berlin voraus. Dies sei aber bei weitem nicht ausreichend für die Klimaziele der Regierung. 2019 fiel der Ausbau mit 325 Windrädern und 1078 Megawatt auf ein historisches Tief. Damit ist erstmals weniger an Land als auf hoher See installiert worden. Grund ist mangelnde Akzeptanz. Die Bundesregierung sucht deshalb nach Wegen, sowohl die Akzeptanz als auch das Bauvolumen wieder zu erhöhen. BWE-Präsident Hermann Albers bezeichnete die neuen Vorschläge der Union dazu als konstruktiv. “Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber den bisherigen Vorschlägen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier.”

Laut BWE müsste eigentlich jährlich die fünffache Menge an Windräder gebaut werden, um das Regierungsziel eines Anteils erneuerbarer Energien von 65 Prozent am Stromverbrauch bis 2030 zu erreichen. Gehe der Ausbau ähnlich wie 2019 weiter, seien ein Viertel der Arbeitsplätze in der Branche nicht mehr zu retten. Der BWE verwies darauf, dass in den nächsten Jahren zunehmend alte Anlagen abgerissen würden und daher sogar die Zahl der Windräder unterm Strich schrumpfen könnte. Bisher genutzte Flächen benötigten häufig neue Genehmigungen.

Union und SPD streiten seit längerem über Wege zu mehr Akzeptanz und einen schnelleren Ausbau. Eigentlich sollte dies bereits im vergangenen Jahr im Zuge des Klimapakets geregelt werden. Ein Gesetzentwurf sah vor, dass Windräder nur in einem Abstand von 1000 Metern von einer Ansammlung von mehr als fünf Wohngebäuden errichtet werden dürfen. Dies traf auf scharfe Kritik in SPD und der Erneuerbaren-Branche.

UNIONS-VORSCHLAG ZU AKZEPTANZ TRIFFT AUF POSITIVES ECHO

Der neue Unions-Vorschlag will sich nun an Bebauungsplänen mit ausgewiesenen Siedlungsgebieten orientieren, wie es in dem Konzept heißt, das Reuters vorliegt. Es sieht ferner vor, dass die Bundesländer auch einen geringeren Abstand als 1000 Meter möglich machen können. Auch den Kommunen solle dies im Zuge von neuen Bauleitplanungen erlaubt werden.

Albers lobte, die in den Plänen ausgewiesenen Gebiete seien in der Regel verdichtete Ortsbestandteile, so dass dies ein Fortschritt gegenüber der Fünf-Häuser-Regelung sei. SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch sagte, man werde jeden Vorschlag sorgfältig prüfen. “Alle müssen sich daran messen lassen, ob das Ausbauziel von 65 Prozent erneuerbaren Energien 2030 verlässlich erreicht wird.”

Spätestens im März müsse unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel zusammen mit den Ländern eine Lösung gefunden werde, sagte BWE-Präsident Albers. In den vergangenen drei Jahren seien wegen der Ausbauflaute schon 40.000 Beschäftigte entlassen worden.

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