May 6, 2010 / 3:46 PM / 10 years ago

Neuer E.ON-Chef Teyssen macht sich für Atomkraft stark

Essen (Reuters) - Der neue E.ON-Chef Johannes Teyssen hat sich bei seinem ersten Auftritt vor den Aktionären für Atom- und Kohlekraftwerke stark gemacht.

E.ON-Chef Johannes Teyssen während der Hauptversammlung in Essen am 6. Mai 2010. REUTERS/Ina Fassbender

Auf diese Energieträger könne kurzfristig nicht verzichtet werden, sagte der 50-Jährige am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Essen. Der Manager hatte Anfang Mai Vorstandschef Wulf Bernotat abgelöst. Zur künftigen Konzernstrategie will er sich zwar erst im Sommer äußern. Teyssen machte aber deutlich, dass E.ON anders als unter Bernotat zunächst keine großen Zukäufe stemmen will.

“Ich sehe nicht, wie Deutschland kurzfristig auf die Kernenergie verzichten könnte, wenn Stromversorgung und Klimaschutz bezahlbar bleiben sollen”, sagte der Vorstandschef, der zwei Jahre lang Bernotats Stellvertreter war. Es gehe bei der Frage einer Verlängerung der AKW-Laufzeiten nicht um Wortbruch, sondern um Verantwortung.

TEYSSEN WIRBT FÜR KOHLEKRAFTWERK DATTELN

Ein Ausstieg würde E.ON allerdings auch teuer zu stehen kommen, entfällt doch etwa die Hälfte der Erzeugung des Konzerns in Deutschland auf Atomkraftwerke. Grundsätzlich einig ist sich der Versorger Teyssen zufolge mit dem Konkurrenten RWE, der Reststrommengen aus dem stillgelegten E.ON-AKW Stade erhalten soll und damit seinen von Aus bedrohtem Meiler Biblis A länger laufen lassen kann. Einen Vertrag gebe es aber noch nicht. Dieser könne in den kommenden Tagen unterzeichnet werden, verlautete auf der Hauptversammlung aus Unternehmenskreisen. RWE sprach von “konstruktiven und fortgeschrittenen Gesprächen”.

Die Bundesregierung hat zwar angekündigt, die Laufzeiten der Meiler verlängern zu wollen. Offen ist aber, wie lange dies der Fall sein soll und welchen Preis die Betreiber E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall dafür zahlen sollen.

Teyssen warb ausdrücklich auch für das umstrittende Kohlekraftwerk im nordrhein-westfälischen Datteln, dessen Bau nach einem Gerichtsbeschluss teilweise ruht und das als Milliardenruine enden könnte. Das Kraftwerk sei technologisch “vom Feinsten”, stoße im Vergleich zu den alten Anlagen weniger Kohlendioxid aus und sei eine der effizientesten Anlagen weltweit. “Wer hier ein Symbol für den Kampf gegen die Kohleverstromung setze will, hat das Projekt nicht verstanden.”

UNTER NEUEM CHEF KEINE GRÖSSEREN ZUKÄUFE IN SICHT

Mit solchen Aussagen sorgte der hemdsärmelig auftretende Teyssen für Applaus unter den rund 4000 Aktionären, die auch Bernotat für die sieben Jahre an der Spitze des größten deutschen Versorgers dankten. “Die Erwartungen sind hoch”, erklärte ein Aktionärsvertreter. Die Wirtschaftkrise mit der eingebrochenen Energienachfrage, das wegen des weltweiten Überangebots schwierige Gasgeschäft sowie die Forderungen nach immer klimafreundlicheren Krafwerken bezeichnete Teyssen als die größten Herausforderungen des Konzerns. Ins Detail ging er aber nicht.

E.ON setze weiter auf organisches Wachstum, betonte der gebürtige Niedersachse, der seit über 20 Jahren im Konzern und seinen Vorgängerunternehmen tätig ist und bei der Deutschen Bank und dem Stahlkonzern Salzgitter im Aufsichtsrat sitzt. “Wer seine Kunden immer besser versorgt und so neue gewinnt, wächst vielleicht nicht so schnell wie durch Akquisitionen, letztlich aber nachhaltiger.”

Bernotat war nach der Niederlage im Kampf um die spanische Endesa 2007 auf Einkaufstour in Südeuropa, Skandinavien und Russland gegangen. Ende 2009 drückten E.ON Nettoschulden von über 44 Milliarden Euro. Die Senkung der Schulden dürfte eine der Hauptaufgaben für Teyssen sein. Mit dem in der vergangenen Woche angekündigten Verkauf der US-Tochter für fast sechs Milliarden Euro ist E.ON dabei einen Schritt weiter gekommen.

- von Tom Käckenhoff -

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