August 13, 2013 / 11:10 AM / 6 years ago

Schwaches Kraftwerksgeschäft macht E.ON zu schaffen

The headquarters of German utility giant E.ON is pictured before the annual news conference in Duesseldorf March 14, 2012. E.ON, Germany's top utility, expects its renewable energy business and foreign expansion to help lift core profit this year and next after Germany's decision to phase out nuclear power led to a net loss for 2011. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO) - RTR2ZB6N

Düsseldorf (Reuters) - Zwei Jahre nach der Atomwende machen dem größten deutschen Energiekonzern E.ON die gefallenen Großhandelspreise für Strom immer mehr zu schaffen.

Vorstandschef Johannes Teyssen erwägt daher, weitere Kraftwerke stillzulegen, da sie zu den Preisen nicht mehr rentabel betrieben werden könnten. “Wir müssen nüchtern feststellen, dass zumindest für dieses und auch das kommende Jahr eine Erholung nicht in Sicht ist”, erklärte Teyssen am Dienstag. Die gesunkenen Preise schlugen sich auch in der Bilanz nieder. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte im ersten Halbjahr um 15 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Der Rückgang fiel jedoch nicht so stark aus, wie von Börsianern befürchtet.

Das Marktumfeld sei weiter “extrem angespannt”, schrieb Teyssen den Aktionären. “So leidet unser traditionelles Kraftwerksgeschäft ungebremst unter geringer Auslastung der Anlagen und zu niedrigen Großhandelspreisen.” In diesem Zusammenhang gingen auch die Erträge aus dem Gasspeichergeschäft zurück. Wenn Gaskraftwerke zu sonst üblichen Spitzenszeiten weniger liefen, würden auch immer seltener große Mengen Gas aus den Speichern entnommen. Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoüberschuss brach in den ersten sechs Monaten um 42 Prozent auf 1,911 Milliarden Euro ein. Teyssen bekräftigte allerdings die Prognosen für 2013, wonach etwa dieses Ergebnis im Gesamtjahr zwischen 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro liegen wird - nach 4,2 Milliarden im Vorjahr.

Die Anleger der zuletzt arg gebeutelten E.ON-Aktie hatten offenbar Schlimmeres befürchtet. Die Papiere von E.ON wie auch die Titel des Konkurrenten RWE legten jeweils um rund drei Prozent zu und zählten zu den größten Dax-Gewinnern. “Die Zahlen an sich sind nicht toll, aber sie übertreffen die Erwartungen - und das ist grade alles, was zählt”, sagte ein Händler. Es gebe die Hoffnung, dass der Tiefpunkt erreicht ist. “Jede positive Nachricht wird mit offenen Armen angenommen und mit Käufen quittiert.” Die Aktienkurse der beiden Versorger waren vor wenigen Tagen auf den tiefsten Stand seit über zehn Jahren gefallen.

WEITERE KRAFTWERKSSCHLIESSUNGEN IN SICHT - AUCH BEI RWE

Der operative Gewinn im Erzeugungsgeschäft brach bei E.ON im Halbjahr um ein Fünftel auf 915 Millionen Euro ein. Teyssen hat Kraftwerke mit einer Leistung von 11.000 Megawatt zur Disposition gestellt. Davon hat er bereits mehr als die Hälfte - 6500 Megawatt - vom Netz genommen, darunter Blöcke des hessischen Kohlekraftwerks Staudinger und des Kraftwerks Veltheim in Nordrhein-Westfalen. Im kommenden Jahr sollen die alten Blöcke in Datteln vom Netz gehen, 2015 das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. “Sofern sich die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den europäischen Kernmärkten nicht spürbar ändern, werden weitere Stilllegungen unausweichlich sein”, kündigte Teyssen an.

Auch RWE wird womöglich diverse Kraftwerke vorübergehend oder ganz stilllegen, wie Reuters aus Kreisen erfahren hatte. Die Essener legen am Mittwoch ihre Zahlen vor. Den Versorgern machen die stark gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Bei Preisen von weniger als 37 Euro je Megawattstunde lohne sich der Betrieb vieler Kraftwerke nicht mehr, sagen sie. Grund für den Preisrutsch sind die schwache Nachfrage in Südeuropa, Überkapazitäten und die zunehmende Konkurrenz durch Ökostrom aus Wind und Sonne. Die privaten Stromkunden haben davon wenig. Der Haushaltskundenpreis steigt seit Jahren, da in diesem zu rund 50 Prozent Steuern und Abgaben - etwa für die Förderung von Ökostrom - enthalten sind.

Teyssen hat bereits frühzeitig mit dem Verkauf von Beteiligungen begonnen. So hat sich E.ON unter anderem von Anteilen an dem russischen Gazprom-Konzern, von Regionaltöchtern und vom Gasnetzbetreiber Open Grid Europe getrennt. Ingesamt peilt Teyssen bis zum Ende des Prozesses einen Erlös von 20 Milliarden Euro an. Allerdings sei der jetzige Gewinnrückgang auch zum Teil auf den Wegfall von Ergebnisbeiträgen veräußerter Gesellschaften zurückzuführen, räumte E.ON ein. Profitiert habe der Versorger hingegen von seinen Kosteneinsparungen. Teyssen hatte unter anderem angekündigt, bis zu 11.000 Stellen zu streichen, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Ende Juni beschäftigte der Konzern weltweit rund 66.500 Mitarbeiter - knapp 60 Prozent davon im Ausland. E.ON will dort weiter wachsen und treibt dazu neue Geschäfte in Brasilien und der Türkei voran.

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