May 23, 2012 / 10:29 AM / 6 years ago

Kreise: Bieter für E.ON-Tochter nicht in Spendierlaune

Frankfurt/Düsseldorf (Reuters) - Der Energiekonzern E.ON kann beim Verkauf seines Geschäfts mit Müllverbrennungsanlagen Insidern zufolge wohl kaum mit einem Erlös von deutlich über einer Milliarde Euro rechnen.

CEO of German utility giant E.ON Johannes Teyssen poses before the annual news conference in Duesseldorf March 14, 2012. REUTERS/Ina Fassbender

Zwar seien vier Bieter im Rennen um die Tochter E.ON Energy from Waste, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gebote würden aber wahrscheinlich nicht über die Summe von 800 Millionen bis eine Milliarde Euro hinausgehen. Bankenkreisen zufolge hatten die im April eingereichten nicht bindenden Offerten noch bei 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro gelegen. Favoriten seien Morgan Stanley Infrastructure und der schwedische Finanzinvestor EQT. Im Rennen sei auch Sembcorp aus Singapur, während der Mannheimer Versorger MVV nur an Teilen interessiert sei. E.ON und die Unternehmen lehnten einen Kommentar ab. Sembcorp war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

E.ON-Chef Johannes Teyssen will mit dem Verkauf die klamme Kasse des nach der Atomwende unter Druck stehenden Konzerns füllen. Bis zum 8. Juni könnten bindende Angebote eingereicht werden, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Ursprünglich sollte die Frist bereits am 25. Mai enden. Weitere Verzögerungen seien auch jetzt nicht ausgeschlossen.

KREISE: E.ON WILL TEILVERKAUF VERMEIDEN

“E.ON will das Unternehmen als Ganzes verkaufen”, hieß es in Kreisen des größten deutschen Energiekonzerns. “Ein Verkauf einzelner Teile wäre schwierig.” Einige Anlagen seien schon älter und erforderten Investitionen. Diese könnten nur schwer losgeschlagen werden. Einen festen Zeitplan für den Verkauf gebe es nicht. “Die Transaktion könnte aber noch im Sommer über die Bühne gehen”, sagte ein Insider.

Bereits nach der Abgabe der ersten Offerten im April war in Banken- und Branchenkreisen zu hören, dass die bindende Angebote niedriger ausfallen könnten. Der US-Konzern Foster Wheeler und die Entsorgungsfirma Remondis seien aus dem Rennen, sagte eine Person. Remondis lehnte einen Kommentar ab, von Foster Wheeler war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

RESTABFALLMENGE SINKT - ÜBERKAPAZITÄTEN BELASTEN BRANCHE

Das Abfallgeschäft in Deutschland ist seit den 90er Jahren deutlich schwieriger geworden. Durch das verstärkte Recycling schrumpft die Müllmenge, zugleich wurden neue Anlagen gebaut. Die Folge sind Überkapazitäten. Höhere Preise können die Betreiber nur schwer durchsetzen. An vielen Anlagen sind Kommunen beteiligt, die ihren Bürgern nicht zuviel Gebühren zumuten wollen. Zur Stromerzeugung trägt die Abfallverbrennung mit weniger als ein Prozent bei. “Man muss sich jede Anlage detailliert anschauen” sagte ein Branchenvertreter. “Wie alt ist sie? Was hat sie für Verträge?” Grundsätzlich sei aber davon auszugehen, dass die Restabfallmenge weiter sinken werde. Dies habe auch Folgen für die Wirtschaftlichkeit der Anlagen.

E.ON Energy from Waste betreibt europaweit 18 Müllverbrennungsanlagen mit einer Jahreskapazität von vier Millionen Tonnen. Die Anlagen produzieren damit Strom und Wärme. 2011 setzte E.ON mit dem Geschäft 544 Millionen Euro um. Bankenkreisen zufolge erzielte die Gruppe mit rund 1300 Mitarbeitern einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 200 Millionen Euro.

E.ON-Chef Teyssen hat bereits eine Reihe von Geschäften abgestoßen und will auf diese Weise bis Ende 2013 insgesamt rund 15 Milliarden Euro einnehmen. Mehr als zwölf Milliarden Euro hat er bereits zusammen. In der vergangenen Woche hatte E.ON die Ferngasnetztochter Open Grid Europe an ein Konsortium um die australische Investmentbank Macquarie verkauft.

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