November 18, 2019 / 7:31 AM / in 17 days

Erwerbstätigkeit erreicht Rekord trotz Beinahe-Rezession

Autumn leaves are seen in front of a sign leading to a job centre of Germany's Federal Labour Office in Holzkirchen, near Munich, Germany November 8, 2017. REUTERS/Michael Dalder

Berlin (Reuters) - Trotz der Beinahe-Rezession ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland so hoch wie noch nie.

Im dritten Quartal kletterte sie vor allem durch Stellenzuwächse bei den Dienstleistern um 356.000 oder 0,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Sie erreichte mit 45,4 Millionen den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung 1990, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Die Zunahme sei “der bereits einsetzenden Herbstbelebung am Arbeitsmarkt” zu verdanken. Die deutsche Wirtschaft schaffte von Juli bis September wegen der guten Kauflaune der Verbraucher und wieder anziehender Exporte ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent, nachdem es im Frühjahr einen Rückgang um 0,2 Prozent gegeben hatte. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Experten von einer Rezession, die es in Deutschland zuletzt um den Jahreswechsel 2012/13 gab.

Die konjunkturelle Flaute hinterlässt ungeachtet des Rekordwertes ihre Spuren am Arbeitsmarkt. “Obwohl sich der Beschäftigungszuwachs weiter fortsetzte, schwächte sich seine Dynamik im Laufe des Jahres 2019 ab”, betonten die Statistiker. Im ersten Quartal sei die Erwerbstätigkeit noch um 1,1 Prozent gewachsen, im zweiten Vierteljahr um 1,0 Prozent. “Der deutliche konjunkturelle Abschwung wirkt sich allmählich auf den Arbeitsmarkt aus”, betonte auch die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Der Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen erwartet, dass die Erwerbstätigenzahl in diesem Jahr noch um rund 371.000 steigen wird, 2020 aber nur noch um 135.000.

Zum anhaltenden Anstieg trugen im abgelaufenen Quartal erneut vor allem die Dienstleister bei. Die größten absoluten Beschäftigungsgewinne meldeten die Öffentlichen Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit 201.000 Personen (+1,8 Prozent), gefolgt vom Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe mit 54.000 (+0,5) sowie dem Bereich Information und Kommunikation mit 49.000 (+3,7). “Dagegen setzte sich der Abwärtstrend bei den Unternehmensdienstleistern weiter fort”, hieß es. Auch bei den Service-Firmen in der Finanz- und Versicherungsbranche sank die Zahl der Erwerbstätigen erneut, und zwar um 10.000 oder 0,9 Prozent. Im Produzierenden Gewerbe gab es ein Plus von 36.000 (+0,4), am Bau von 35.000 (+1,4). Dagegen sank die Zahl in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei um 12.000 (-1,9).

“Immer mehr Menschen nehmen eine abhängige Tätigkeit auf”, stellten die Statistiker fest. Die Zahl der Arbeitnehmer erhöhte sich im dritten Quartal um 427.000 oder 1,0 Prozent auf 41,22 Millionen. Vor allem die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten legten zu. Gesunken ist hingegen die Zahl der geringfügig und kurzfristig Beschäftigten. Auch der Rückgang der Selbstständigen setzte sich fort: Hier gab es ein Minus um 71.000 Personen oder 1,7 Prozent auf 4,15 Millionen.

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