January 2, 2011 / 11:00 AM / 9 years ago

Wirtschaftsweiser Franz sieht den Euro nicht in einer Krise

Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, während einer Pressekonferenz in Berlin am 13. November 2009. REUTERS/Tobias Schwarz

Berlin (Reuters) - Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, sieht den Euro nicht in einer Krise.

“Wir erleben keine Krise des Euro, sondern Krisen in einzelnen Euro-Staaten, zurückzuführen auf finanzpolitisches Fehlverhalten einzelner Länder oder auf ein aus den Fugen geratenes Bankensystem wie in Irland”, sagte Franz der “Welt am Sonntag” laut Vorabbericht.

Die befürchteten Dominoeffekte im Euroraum hätten mit dem Euro nicht viel zu tun, sondern mit viel zu riskantem Verhalten der Banken. “Der Euro-Rettungsschirm stellt letztlich ein Rettungsprogramm nicht zuletzt für deutsche und französische Banken dar. Die Aktion für Irland ist ebenfalls im Kern ein Bankenrettungsprogramm”, sagte Franz. Die Leistungsbilanz des Euro-Raums sei in etwa ausgeglichen, die Neuverschuldung des Euro-Raums in Prozent des Bruttoinlandsprodukts geringer als in Japan, England oder den USA. “Vorsicht mit Schuldzuweisungen an den Euro”, sagte Franz.

Die Beschlüsse innerhalb der Euro-Zone, einen permanenten Krisenmechanismus zu installieren, gingen in die richtige Richtung. Franz forderte, dass private Gläubiger an einem Zahlungsausfall eines Landes beteiligt werden müssen. “Das ist doch das Normalste von der Welt. Es geht doch nicht an, hohe Zinsen einzustreichen, aber die Risiken solcher Anleihen ausschließlich auf die Steuerzahler abzuwälzen”, sagte Franz. Kritik übte Franz an dem geplanten Verfahren. “Es ist mehr als bedenklich, wenn darüber, wie jetzt wohl vorgesehen, die Regierungen von Fall zu Fall entscheiden”, sagte Franz. Schon beim Stabilitäts- und Wachstumspakt habe man gesehen, dass die Regeln nicht strikt angewendet werden, wenn als Regierungen potenzielle Sünder über aktuelle Sünder befinden müssen. “Ebenso wenig würden Regierungen bei einem Krisenmechanismus vermutlich gegen die Interessen der Banken ihres Landes votieren. Besser wäre es, beispielsweise eine unabhängige Abteilung der EU-Kommission mit der Anwendung der vorher vereinbarten Regeln zu betrauen”, so der Wirtschaftsweise.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below