March 6, 2018 / 6:22 AM / 3 months ago

Die "Großwildjagd" ist vorbei - Evonik baut um

Düsseldorf (Reuters) - Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik will nach seiner Einkaufstour durch einen Umbau und Einsparungen profitabler werden.

The logo of German specialty chemical company Evonik Industries AG is pictured at their plant in Bitterfeld, Germany, February 29, 2016. REUTERS/Fabrizio Bensch

Die Zeit großer Übernahmen sei vorüber, machte Vorstandschef Christian Kullmann am Dienstag in Essen deutlich: “Es ist jetzt nicht mehr die Großwildjagd.” Vielmehr setze Evonik nun auf “Niederwild”, also Zukäufe, die das Geschäft abrundeten. Kullmann will das Kerngeschäft Spezialchemie stärken und dort investieren. Für andere Bereiche bedeutet das weniger Mittel. So stellt er das Methacrylat-Geschäft mit einem Umsatz von etwa 1,5 Milliarden Euro zur Disposition. Partnerschaften oder ein Verkauf würden hier geprüft. Evonik produziert in dem Geschäft mit rund 3700 Mitarbeitern - den Großteil davon in Deutschland - unter anderem Plexiglas und Autolacke. Zudem tritt Kullmann weiter auf die Kostenbremse.

Der Evonik-Chef war im vergangenen Mai mit dem Ziel angetreten, Evonik zum “besten Spezialchemie-Konzern der Welt zu formen”. “Aber von der Spitze unserer Industrie sind wir noch ein gutes Stück entfernt”, räumte Kullmann nun ein. Die Kosten für Verwaltung und Vertrieb seien in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als der Umsatz: “Das ist nicht gesund.” Kullmann will gegensteuern. In den beiden Bereichen will er die Kosten bis Ende 2020 um 200 Millionen Euro senken. Dies soll in Deutschland ohne betriebsbedingte Kündigungen gelingen. Zudem will der Manager im Geschäft mit Ergänzungsmitteln für die Tiernahrung - der zweitgrößten Evonik-Sparte - 50 Millionen Euro bis 2020 einsparen. Bei der früheren Evonik-Ertragsperle war im vergangenen Jahr der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) um 26 Prozent auf 749 Millionen Euro geschrumpft.

Insgesamt konnte Evonik im vergangenen Jahr durch die Zukäufe den Umsatz in die Höhe schrauben, auch der operative Gewinn legte zu. Das bereinigte Ebitda stieg 2017 auf 2,36 (Vorjahr: 2,165) Milliarden Euro, die Erlöse kletterten auf 14,4 (12,7) Milliarden Euro. Der Konzern lag damit im Rahmen der Erwartungen des Marktes. Beim Konzerngewinn machten sich die Kosten bemerkbar, er schrumpfte auf 717 (814) Millionen Euro. Die Anteilseigner rund um die RAG-Stiftung sollen eine unveränderte Dividende von 1,15 Euro je Aktie erhalten.

Evonik hatte 2017 für 630 Millionen Dollar das Silica-Geschäft der US-Firma JM Huber übernommen. Die Essener hatten zuvor zudem eine Sparte des US-Konzerns Air Products für rund 3,8 Milliarden Dollar gekauft. Größter Einzelaktionär ist mit rund 68 Prozent der Anteile die 2007 gegründete RAG-Stiftung, die für die Folgekosten des auslaufenden Steinkohle-Bergbaus in Deutschland aufkommen soll. Stiftungschef Werner Müller, der Evonik mit geformt hatte und dem Evonik-Aufsichtsrat vorsitzt, scheidet aus gesundheitlichen Gründen im Mai aus. Als Nachfolger ist Bernd Tönjes nominiert. Tönjes stehe für “Stabilität und Kontinuität”, machte Kullmann deutlich.

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